Mehr Gehirnleistung durch Smart Drugs?

Illegales Gehirndoping bei Studierenden nimmt zu – dabei gibt es natürliche Alternativen

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Gehirndoping bei Studierenden. (Bildquelle: © Sangoiri – Fotolia.com)

Heidelberg, 15. März 2019: Zu viele junge Menschen dopen sich. Vor allem manche Studierende greifen im Prüfungsstress zu sogenannten „Neuro-Enhancern“ wie Ritalin oder Modafinil, um dem Leistungsdruck standzuhalten. Zwanzig Prozent aller Studierenden greift zum Gehirndoping – jede fünfte Studentin und jeder fünfte Student. Das besagt eine Studie der Universität Mainz.

„Von Ritalin oder Modafinil versprechen sich viele Studierende, sich länger konzentrieren und pausenlos lernen zu können“, hat Julia Schwarz in Gesprächen mit jungen Studierenden herausgefunden. „Ich bin selbst Studentin in einem höheren Semester und kenne in meinem Freundes- und Bekanntenkreis einige Personen, die sich Unterstützung für das Bewältigen ihres hohen Lernpensums suchen.“ Für phytodoc.de hat sich Schwarz eingehend mit den Neuro-Enhancern auseinandergesetzt und zusätzlich zwei Experten interviewt.

Mangelndes Zeitmanagement, Überforderung, Leistungsdruck und Einflüsse von außen, die den Lernfluss behindern – das sind die vorrangigen Gründe für den schnellen Griff zur illegalen Substanz.

Denn illegal sind diese Neuro-Enhancer in der Regel: Mit Modafinil werden normalerweise Patienten behandelt, die unter der seltenen Schlafkrankheit Narkolepsie leiden. In Deutschland benötigt man ein Rezept dafür – „unter der Hand gibt es allerdings einen regen, illegalen Handel, da Modafinil ein beliebtes Mittel zur geistigen Leistungssteigerung ist“, hat Julia Schwarz erfahren. Gesunden Menschen hilft die Droge vor allem beim Lösen von komplexen Aufgaben und Problemstellungen, wie Forscher der University of Oxford zeigen konnten.

Illegale Substanzen mit gefährlichen Nebenwirkungen

Wie meistens bei illegalen Substanzen ist die Liste der Nebenwirkungen lang – wer Modafinil längere Zeit einnimmt, kann Selbstmordgedanken entwickeln und aggressiv werden.

Mit Ritalin werden ADHS-Patienten behandelt; ihre Aufmerksamkeitsspanne dehnt sich und sie können sich besser konzentrieren. Und auch bei diesem Medikament ist die Liste der Nebenwirkungen lang: Magen-Darm-Beschwerden, Herzrasen, Depressionen und Halluzinationen können die Folge sein. Zudem macht Ritalin psychisch abhängig, das Krebsrisiko steigt deutlich und man muss mit einem erhöhten Herz-Kreislaufrisiko rechnen, „ähnlich wie beim Kokain-Missbrauch“, warnt Dr. med. Berthold Musselmann, Allgemeinmediziner mit Praxis in Wiesloch.

In kürzerer Zeit zu mehr Lernstoff

Das Fazit, das Julia Schwarz nach vielen Gesprächen mit Studierenden zieht, die ihrem Prüfungsstress mit Neuro-Enhancern begegnen: „Modafinil hat für die meisten eine bessere Wirkung. Sie kommen schneller mit dem Lernstoff durch und sparen Zeit, weil sie auf Pausen verzichten können.“ Nach Meinung der Befragten eignet sich Modafinil gut zum sogenannten „Bulimie-Lernen“: „Eine großen Menge Lernstoff wird innerhalb kurzer Zeit ins Kurzzeitgedächtnis geprügelt, damit man es in der Klausur oder Prüfung wiedergeben kann.“ Nachhaltiges Lernen, um sich echtes Wissen anzueignen, ist das nicht. Ritalin wird seltener eingesetzt: Es hält nicht wach, und die Phase, in der sich die Studierenden gut konzentrieren können, ist kürzer.

Die beste legale Droge gibt“s an jeder Straßenecke

Doch niemand muss zu den teuren, ungesunden und vor allem: illegalen Substanzen greifen. Julia Schwarz hat bei Professor Dr. Michael Wink, Direktor am Institut für Pharmazie und Molekulare Biotechnologie der Universität Heidelberg, nach pflanzlichen Alternativen gefragt. Diese lassen sich in zwei Wirkkategorien einteilen: Manche Stoffe besitzen eine kurzzeitige Wirkung, andere wiederum wirken langzeitig.

Wer sich eine längere Lernphase über konzentrieren muss, kann zu einer völlig alltäglichen „Droge“ greifen: frisch aufgebrühtem Kaffee. Das Koffein der Kaffeebohne geht schnell ins Blut, wirkt dort bereits nach 15 Minuten und stimuliert uns fünf bis sechs Stunden lang. Wir bleiben nicht nur länger wach, auch unsere Gehirnleistung nimmt zu und unsere Reaktionsbereitschaft steigt. Einziger Haken: Da Koffein von den meisten täglich konsumiert wird, haben die aktivierenden Nervenbotenstoffe keinen großen Effekt mehr. Wer allerdings nur sehr selten Kaffee trinkt oder vor der Lernphase ein paar Wochen kaffeeabstinent lebt, der kann sein Gehirn effizient und ganz legal dopen.

Mit Schokolade und Guarana zum Examen

Koffein gehört zu den sogenannten Purinalkaloiden, die eine kurzzeitige Dopingwirkung hervorrufen. Diese Stoffgruppe ist auch in Schokolade enthalten. „Besonders dunkle Schokolade mit einem hohen Kakaogehalt kann Gehirndoping zu einem genussvollen Vergnügen machen“, sagt Julia Schwarz schmunzelnd.

Guarana (Paullinia cupana), ein Amazonasgewächs, enthält drei- bis fünfmal mehr Koffein als Kaffee. Wer mit dem Pulver seinen selbstgemachten Wildkräuter-Smoothie aufpeppt, dem fällt das Büffeln deutlich leichter. Aber auch hier gibt es Nebenwirkungen zu beachten: Hohe Konzentrationen können Angstgefühle und Schlaflosigkeit bewirken.

Was hat die Pflanzenwelt sonst noch zu bieten?

Deutlich exotischer als Kaffee und Schokolade klingen Taigawurzel, Rosenwurz, Ginseng und Ginkgo, die Adaptogene enthalten und eine positive Langzeitwirkung auf die eigene Leistung versprechen. „Ginkgo kann nach zwei Wochen nachweislich die Gedächtnisleistung verbessern“, sagt Dr. med. Berthold Musselmann, der ärztliche Leiter von phytodoc.de. Er warnt aber auch vor den magenreizenden Ginkgolsäuren, die zu Übelkeit führen können: „Auf keinen Fall sollten Ginkgo-Blätter selbst gesammelt und beispielsweise als Tee zubereitet werden. In guten Ginkgo-Präparaten sind diese Ginkgolsäuren entfernt.“

Sport an der frischen Luft ist die härteste Droge

Doch am gesündesten lernt es sich ganz ohne Präparate. Die Besinnung auf einfache Dinge, die uns oft so schwerfällt, weil wir hier selbst aktiv werden müssen, statt einfach eine „Pille“ einzuwerfen.

Zu diesen Dingen, die der menschlichen Natur entsprechen, gehören: ausreichend schlafen, ausgewogen essen und bei längeren Lernphasen kurze Pausen plus einmal am Tag eine einstündige Sporteinheit an der frischen Luft einlegen. Nach dem Sporteln sollte eine halbe Stunde Ruhepause folgen — ohne Handy – damit der Kopf Entspannung und Erholung bekommt. Diese Mischung aus Lernen und Pausen verbessert die geistige Leistungsfähigkeit enorm und nach der Pause ist das Gehirn mit frischem Sauerstoff versorgt und wieder „startklar“.

Dr. Musselmanns abschließender Tipp: Musizieren, malen, kreativ sein und sich mit aufregenden neuen Inhalten beschäftigen: „Das kann immens befruchtend sein, dadurch den Spaß am eigentlichen Fachgebiet erhalten und für neue Lernphasen motivieren.“

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