Von Freunden und Feinden in den Genen

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Speichelproben werden bei der Typisierung analysiert. Foto: Andrea Djifroudi/Stefan-Morsch-Stiftung

Wenn sich etwa 150 Labor-Fachleute aus dem deutschsprachigen Raum alljährlich im Hunsrück treffen, geht es um Freund und Feind, um Gut und Böse. Denn Human Leukocyte Antigene (HLA) sind eine Gruppe menschlicher Gene, die für die Funktion des Immunsystems von zentraler Bedeutung ist. Als Gäste der Stefan-Morsch-Stiftung werden Anfang Juni erneut, die neusten Entwicklungen wie etwa die Heilung von Aids-Patienten nach einer Stammzelltransplantion diskutiert.

HLA-Workshop der Stefan-Morsch-Stiftung

Zum 17. Mal treffen sich die Labor-Experten aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Luxemburg zum HLA-Workshop der Birkenfelder Stiftung, die nicht nur die erste Stammzellspenderdatei Deutschlands betreibt, sondern auch eines der größten Labore. 16 Mitarbeiter bearbeiten im rheinland-pfälzischen Birkenfeld jährlich rund 20 000 Speichel- und Blutproben. Die Analyse dient dazu, die für eine Transplantation von Stammzellen relevanten Merkmale zu erfassen.

Gene und das Immunsystem

Je ähnlicher sich HL-Antigene von Spender und Empfänger sind, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit einer Abstoßungsreaktion. Diese Gene sind also an der Erkennung körpereigener und körperfremder Stoffe beteiligt. Dies ist neben Organtransplantationen bei Autoimmunerkrankungen wichtig, da hier die Unterscheidung zwischen Freund und Feind verloren geht und körpereigene, gesunde Zellen attackiert werden.

Leukämie und HIV

Dr. med. Diplom-Biochemiker Thomas Binder, Facharzt für Transfusionsmedizin am Zentrum für Diagnostik im Institut für Transfusionsmedizin an der Uniklinik Hamburg-Eppendorf, wird bei seinem Referat erläutern, welches Phänomen der Tatsache zugrunde liegt, dass ein HIV-positiver Leukämie-Patient nach der Transplantation von Stammzellen eines Spenders mit einer bestimmten Gen-Variante nach der Transfusion nicht nur von der Leukämie geheilt wurde, sondern auch HIV-frei ist.

Hintergrund: Stefan-Morsch-Stiftung

Die Stefan-Morsch-Stiftung mit Sitz im rheinland-pfälzischen Birkenfeld ist die erste Stammzellspenderdatei Deutschlands. Unter dem Leitmotiv “Hoffen – Helfen – Heilen“ bietet die gemeinnützige Stiftung seit 1986 Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke – in jeder Frage. Leukämie – 11.000 Mal pro Jahr wird allein in Deutschland diese Diagnose gestellt. Mal ist es ein berühmter Fußballer, mal die Frau eines Arbeitskollegen, mal der Sohn eines Vereinskameraden, mal der Bekannte eines Freundes – es könnte aber auch Ihr Kind, Ihre Frau, Sie selbst treffen.

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HLA-Merkmale sind bei der Stammzelltransplantation entscheidend. Foto: Andrea Djifroudi/Stefan-Morsch-Stiftung

Erste Stammzellspenderdatei

Hilfe ist oft nur möglich, wenn es Menschen gibt, die sich freiwillig als Stammzellspender und damit als potenzieller Lebensretter für Patienten zur Verfügung stellen. Deshalb wirbt die Stefan-Morsch-Stiftung dafür, sich als Stammzellspender registrieren zu lassen. Mit jedem neu gewonnenen Spender erhöht sich die Chance, für einen Patienten einen passenden Stammzellspender zu finden. Nur dann hat die Übertragung von Stammzellen den gewünschten Erfolg bei Krankheiten, für die es ansonsten keine vergleichbaren Möglichkeiten der Heilung oder des Überlebens gibt. So vermittelt die gemeinnützige Stiftung täglich Stammzell- oder Knochenmarkspender aus der Spenderdatei als Lebensretter für Patienten weltweit.

Netzwerk arbeiten weltweit

Die Stiftung ist Teil eines Netzwerkes, das Menschen über alle Grenzen hinweg das Leben rettet. So ist die Stefan-Morsch-Stiftung an das Zentrale Knochenmarkspender-Register für die Bundesrepublik Deutschland (ZKRD) angeschlossen, in dem alle für die Suche nach einem passenden Spender relevanten Daten aus ganz Deutschland zusammenlaufen und damit weltweit zur Verfügung stehen. Aufgrund der internationalen Zusammenarbeit kann es sein, dass ein deutscher Patient Stammzellen aus Kanada erhält oder ein Stammzellspender in Deutschland für einen Erkrankten in Griechenland gefunden wird.

WMDA und EBMT

Zudem bringen Vertreter der Stiftung über die Stiftung Knochenmark- und Stammzellspende Deutschland (SKD), European Group of Blood and Marrow Transplantation (EBMT) und World Marrow Donor Association (WMDA) auf nationaler und internationaler Ebene ihre Erfahrungen ein, wenn Experten die neuesten Forschungsergebnisse diskutieren und das weltweite Netzwerk optimieren.

Patient im Fokus

Die Stefan-Morsch-Stiftung hat sich des Weiteren zum Ziel gesetzt, Patienten und ihren Angehörigen zur Seite zu stehen. Wir helfen bei der Vermittlung von Kliniken oder Ärzten, beraten aber auch den Patienten nach der Transplantation. Die Stiftung gibt im Notfall finanzielle Hilfen. So können ungedeckte Kosten des Patienten, die durch eine Leukämie-Erkrankung entstanden sind und zu einer wirtschaftlichen Notlage geführt haben, übernommen werden.