Lesetipp „Französisch von unten – Leben mal sieben“ von Wolfgang A.Gogolin

LesetippFranzoesischVonUnten-213x300 Lesetipp „Französisch von unten – Leben mal sieben“ von Wolfgang A.Gogolin

Ein idyllisches französisches Fischerdorf in der Normandie. Und doch wird hier hinterhältig gemordet, düster orakelt, die Ehe gebrochen, ein Bordell gegründet und ein schier unfassbares, tödliches Komplott gegen den ›Papst‹ geschmiedet.
Mittendrin der verwilderte Kater Merlin, der innerhalb von nur fünf Tagen seine sprichwörtlichen sieben Leben mit allen Höllen und Himmeln durchlebt. Aber auch die menschlichen Dorfbewohner um Merlin herum, ob enge Freunde oder erbitterte Feinde, sind nach den fünf ereignisreichen Tagen nicht mehr die Gleichen …

Leseprobe:
Es war einer jener Julitage, die schon in den frühen Morgenstunden versprachen, sonnig und duftig zu werden. Die schwindende Nachtluft wirkte belebend auf die ersten Geschäftigen von Arnaud, sie bekamen eine Ahnung von frischem Lavendel, von ein wenig Zitronengras und einer Spur Minze. Das Straßenflickwerk aus alten Pflastersteinen mit ungleichmäßig eingearbeiteten Asphaltabschnitten schlängelte sich durch die kleine Stadt in der Normandie. Arnaud erwachte langsam.
Merlin ging bedächtig seinen Weg zum Hafen, dicht drückte er sich an die Häuserfassaden.
»Bonjour, Merlin!« Madame Galabru fegte mit einem Reisigbesen die Stufen vor ihrem Delikatessenladen. Staub wirbelte hoch. Die mehrfach übermalten, inzwischen aber wieder rissigen und schäbigen Holzfenster des Ladens boten einen verführerischen Ausblick auf feine Lebensmittelkonserven in Dosen und Gläsern, auf zart frisches Gemüse und eine kleine Fischtheke, die sich im hinteren Teil des Geschäfts befand. Ein buntes Allerlei an Köstlichkeiten. Nur kurz schaute Madame Galabru hoch, dann wogten ihre breit angelegten Hüften im Rhythmus einer unbekannten Melodie, die sie vor sich hin summte. Merlin blieb stehen und schaute die Putzende an. Als könnte er seinen derzeit dringlichsten Wunsch nur mit den Augen erfüllt bekommen, nahm er sie ins Visier.
Madame Galabru fegte weiter. Nichts geschah. Keine Unterbrechung der Arbeit. Kein Hinweis darauf, dass die Delikatessenhändlerin verstand. Merlin starrte. Wünsche waren Wollust ohne Substanz, doch Substanz ließ sich manchmal mit einem Augenaufschlag herbeizaubern. Der Augenaufschlag erfolgte. Merlin schmachtete. Das ratschende Geräusch des Besens, der über die Straßensteine stob, mischte sich mit einem aufgeregten Warnruf einer Blaumeise. Was für ein unerträglicher Stillstand des Augenblicks.
Merlin ließ die Erstbegegnung des Tages einen Moment lang rückwärts laufen und suchte nach Fehlern. Zunächst empfand er Madame Galabrus Begrüßung nur als kurz, dann als zu kurz. Und da sich auch noch Desinteresse hinzugesellte, kam er zum Resümee, dass eine ungewohnte Unachtsamkeit im Allgemeinen und Unverschämtheit im Speziellen sich in ihr Treffen eingeschlichen hatte. Warum beachtete sie ihn kaum? War kurz angebunden? Es war doch alles genau wie gestern und wie vorgestern. Der viel zu enge graublaue Kittel, ihre fleischigen Oberarme, die mit Haarspray zubetonierte Frisur und sogar der Besen mit dem rot lackierten Holzstab, der schon bessere Zeiten gesehen hatte und mit der Farbe des abblätternden Nagellacks seiner Herrin übereinstimmte. Alles wie immer. Wo also lag der Fehler? Hatte er etwas falsch gemacht? Merlin brachte sich in Position. Er umrundete Madame Galabru, blieb vor dem geschäftigen Besen stehen und erkämpfte Aufmerksamkeit. Der aufgewirbelte Straßenstaub biss in seiner Lunge, nahm ihm fast dem Atem.
»Oh, nein! Heute nicht! Sieh dich an, du bist viel zu fett!« Madame Galabru bürstete intensiv mit dem Besen weiter, als wollte sie damit ihre Aussage unterstreichen. Merlin schluckte. Der Staub brannte nun auch in den Augen. Er schüttelte seinen Kopf und die langen Barthaare vibrierten. Hatte er richtig gehört? Zu fett? Was meinte sie damit? Wen meinte sie damit? Er schüttelte den Kopf.
»Oh! Ja! Du bist gemeint. Sieh deinen dicken Bauch an. Du brauchst gar nicht so den Kopf zu schütteln. Du bist zu fett, mein Lieber, und Männer sollten nicht fett sein! Heute gibt es keine Sardinen für dich!«
© Wolfgang A.Gogolin

Produktinformation:
Taschenbuch: 212 Seiten
Verlag: Karina Verlag (Nova MD); Auflage: Erstauflage (5. April 2019)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3964439959
ISBN-13: 978-3964439956
Auch als E-Book erhältlich!

Mehr Infos unter:
https://www.karinaverlag.at/

Ab sofort versendet der Karina-Verlag seine Bücher europaweit kostenlos. Denn gerade jetzt ist es wichtig, dass die Menschen Unterhaltung haben, eben in Form von guter Literatur. Somit ist der Lesestoff gesichert! Noch sind alle Werke vorrätig.

Firmeninformation:
Britta Kummer ist Autorin. Sie schreibt Kinder-, Jugend- und Kochbücher, wurde in Hagen geboren und wohnt heute in Ennepetal.
Zusätzlich gibt es auch zwei Bücher zum Thema MS. Diese sind aber keine Fachbücher über die Krankheit MS (Multiple Sklerose), sondern die MS-Geschichte der Autorin.
Ihr Buch „Willkommen zu Hause, Amy” wurde im Januar 2016 mit dem Daisy Book Award ausgezeichnet. Der Kärntner Lesekreis „Lesefuchs“ vergibt in unregelmäßigen Abständen diese Auszeichnung für gute Kinder- und Jugendliteratur.
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