Gesetzeskonforme Regalprüfungen in der Lagerlogistik

Jedes gewerblich genutzte Logistikunternehmen, Handwerksbetriebe oder Produktionsstätten unterliegt der gesetzlichen Pflicht, in regelmäßigen Abständen als Bestandteil einer Regalprüfung Regalanlagen und Regale auf Stabilität, Beschädigung und Platzierung untersuchen zu lassen. Die Einhaltung der maßgeblichen Vorschriften ist entscheidend, um rechtlichen Konsequenzen und Strafen zu entgehen.

Nicht nur deswegen sind Regalprüfungen von großer Bedeutung. Die Erfüllung von Gesetzen und Normen beinhaltet auch den Schutz und die Sicherheit der Mitarbeiter, die in einer sicheren Umgebung arbeiten sollen. Darüber hinaus verhindern Unternehmer Schäden an Waren und Ressourcen durch instabile Regale, deren Beschädigung nur durch regelmäßige Überprüfung entdeckt werden kann. Wer die Effizienz seiner Regale regelmäßig prüft, nutzt seinen Lagerplatz bestmöglich aus und erhält dauerhaft seine Produktivität. Denn durch die Überwachung und regelmäßige Wartung kann die Lebensdauer angeschaffter Regalsysteme deutlich verlängert werden, was Investitionskosten beispielsweise durch die Neuanschaffung geeigneter Lagersysteme verringert.

In diesem Text geben wir einen Überblick über gültige Vorschriften und Normen, die Prüfungen von Regalen im gewerblichen Kontext regelt, darüber welche Regale von der Prüfung betroffen sind, wie häufig die Prüfung gemacht werden muss und wie der Prüfungsprozess vonstattengeht.

Rechtliche Vorschriften und Normen im Überblick

Gemäß den Vorschriften der Betriebssicherheitsverordnung, der DIN EN 15635 und den berufsgenossenschaftlichen Vorgaben DGUV Regel 108-007 müssen ortsfeste Regalsysteme aus Stahl regelmäßigen Sichtkontrollen und einer jährlichen umfangreichen Sicherheitsprüfung unterzogen werden.
In § 14 Abs. 1 und Abs. 2 der Betriebssicherheitsverordnung ist geregelt, in welchen Fällen Prüfungen von Regalen erforderlich sind. Im ersten Absatz geht es um die Prüfung vor der erstmaligen Verwendung von Arbeitsmitteln durch eine befähigte Person. Absatz 2 regelt die wiederkehrende Prüfung von Arbeitsmitteln.

Die Betriebssicherheitsverordnung äußert sich zur Kontrolle in regelmäßigen Abständen wie folgt: „Arbeitsmittel, die Schäden verursachenden Einflüssen ausgesetzt sind, die zu Gefährdungen der Beschäftigten führen können, hat der Arbeitgeber wiederkehrend von einer zur Prüfung befähigten Person prüfen zu lassen. Die Prüfung muss entsprechend den nach § 3 Absatz 6 ermittelten Fristen stattfinden. Ergibt die Prüfung, dass ein Arbeitsmittel nicht bis zu der nach § 3 Absatz 6 ermittelten nächsten wiederkehrenden Prüfung sicher betrieben werden kann, ist die Prüffrist neu festzulegen.“

Zu den Schäden verursachenden Einflüssen, die zu gefährlichen Situationen führen können, gehören beispielsweise Be- und Entladungsarbeiten, die mit Gabelstaplern oder sonstigen Flurförderzeugen durchgeführt werden. Schweres Gerät kann bei unachtsamer Benutzung sehr schnell Schäden an Regalen verursachen, die nicht nur kosmetischer Natur sind, sondern die Statik und Haltbarkeit des Regalsystems dauerhaft gefährden.

Welche Regale werden geprüft?

Gemäß der Berufsgenossenschaft gilt eine Inspektionspflicht grundsätzlich für alle Regaltypen, die im gewerblichen Zusammenhang verwendet werden. Dazu gehören Paletten- und Kragarmregale, Einfahr- und Durchfahrregale, Fachbodenregale, Mehrgeschossanlagen, Durchlaufregale, manuell verfahrbare Regale sowie Archivregale.
Je nach Verwendung des Regalsystems werden bei der Prüfung Regalstruktur, Verankerungen, Böden und Traversen auf ihren Zustand untersucht.

Ein besonderes Augenmerk wird auf die sogenannten Schwerlastregale gelegt. Diese müssen besonders sorgfältig überwacht werden, da hier bei Beschädigung oder Instabilität mit schwerwiegenderen Konsequenzen gerechnet werden muss. Genau wie bei Regalsystemen für Gefahrstoffe müssen erweiterte Sicherheitsvorschriften bei erhöhtem Haftungsrisiko eingehalten werden. Die hohe tägliche Belastung durch schwere Güter und die schnellere Abnutzung eingesetzter Lagersysteme macht eine häufigere Sichtung und Prüfung unabdingbar.

Auch bei Regalen, die größere Mengen an kleinteiligen Waren lagern, ist die Untersuchung von Regalböden, Fachunterteilungen und deren Befestigungen zu prüfen, so wie Schubladenmechanismen bei Fachbodenregalen mit Schubladen.
Generell sollten Regalsysteme, die mit schweren, kostspieligen oder gefährlichen Waren bestückt werden, in möglichst kurzen Abständen geprüft werden. Im Falle eines Unfalls sind die gesundheitlichen und finanziellen Konsequenzen für alle im Unternehmen deutlich schwerwiegender.

Wie häufig werden Regale geprüft?

Die Norm unterscheidet zwischen einer Experteninspektion, die alle 12 Monate erfolgen muss und anderen Inspektionen oder Sichtkontrollen, die in kürzeren Zeitabständen durchzuführen sind. Generell sind alle Kontrollen von einer „befähigten Person“ durchzuführen, die sich durch entsprechende Schulungen und Ausbildung für die Prüfung zertifiziert hat. Prüfer können hier externe Experten oder geschulte und zertifizierte Mitarbeitende im Unternehmen sein.

Die wöchentlichen Untersuchungen erfolgen durch einen Regalprüfer beziehungsweise in Regalprüfung unterwiesene Personen. Diese prüfen durch kurzfristige, aber häufigere Sichtung den Zustand der Regalsysteme, dokumentieren diese schriftlich in einem Prüfprotokoll, erledigen kurzfristig allgemeine Instandhaltungsmaßnahmen und beseitigen mit kleinen Reparaturen leichte Schäden.

Bei der großen Regalinspektion, die jährlich vorzunehmen ist, erfolgt eine umfassende Untersuchung aller Regale auf Sicherheit, Stabilität und Einhaltung der Vorschriften durch einen Regalinspekteur, der häufig ein externer Sachverständiger ist. In der großen Inspektion werden ebenfalls alle Prüfungsergebnisse dokumentiert und es wird eine Empfehlung zur Behebung von Mängeln und Problemen gegeben.

Maßnahmen vor der Prüfung

Auch wenn die jährliche und wöchentliche Sichtung von Regalen obligatorisch und notwendig ist, sollten im laufenden Betrieb Maßnahmen ergriffen werden, die nicht nur die Prüfung erleichtern, sondern auch das Zustandekommen von Schäden verhindern.
Dazu zählt beispielsweise der Aufbau der Regale gemäß den Herstelleranweisungen. Diese geben Gewichtsbegrenzungen an, die bei der Befüllung der Regale zwingend berücksichtigt werden müssen, um eine lange Nutzung zu garantieren.

Nicht nur für die Prüfung, auch für die Arbeit an den Regalen ist genug Platz notwendig. Daher sollte beim Aufbau genug Sicherheitsabstand für Flurfahrzeuge und Mitarbeiter zwischen den Regalen vorhanden sein. Das erleichtert die Bewegung der Mitarbeiter und letztendlich auch die Zugänglichkeit bei der jährlichen Prüfung.

Die Erfassung der zu inspizierenden Regale wird durch akkurate Kennzeichnung der Regale enorm erleichtert. Klare und gut sichtbare Etiketten sollten den Inhalt jedes Regalfachs darstellen für eine bessere Organisation und schnelleren Zugriff.
Sind im Lager Flüssigkeiten oder Chemikalien im Umlauf, sollten Regale mit geeigneten Beschichtungen oder Abdeckungen versehen sein. Das schließt auch den Rostschutz ein. Sind Regalteile viel Feuchtigkeit ausgesetzt, kann es zu Korrosion kommen, die nur durch eine solide Beschichtung unterbunden werden können.
Wenn Unternehmer dafür sorgen, dass Mitarbeiter in regelmäßigen Abständen geschult und unterrichtet werden, können Sie sicherstellen, dass die Handhabung mit Regalen und Fahrzeugen sicher und überlegt stattfindet und potenzielle Gefahren sehr viel schneller erkannt und behoben werden.

Der Regalprüfungsprozess im Detail

Auch wenn die wöchentlichen Sichtungen wichtig sind, ist die jährliche umfassende Prüfung durch einen Fachmann von entscheidender Bedeutung, um kleine und große Schäden zu identifizieren.
Die jährliche Regalprüfung beginnt damit, Prüfungsbereiche im Lager festzulegen und die zu prüfenden Regaltypen zu identifizieren. Alle relevanten Unterlagen, wie Baupläne und Herstellerinformationen sollten vorab vorliegen, um Traglasten und Aufbauempfehlungen vom Hersteller mit dem Status quo abzugleichen. Ist der Umfang des Prüfungsbereiches bekannt, wird ein Prüfzeitplan einschließlich der Häufigkeit der Inspektionen aufgesetzt. Voraussetzung für eine effiziente Prüfung ist dabei, dass alle Regale für die Inspektion zugänglich gemacht werden müssen.

Für eine umfassende, nachvollziehbare Dokumentation werden alle Regale und ihre Standorte schriftlich festgehalten und die Regale oder Regalreihen für eine einfache Identifizierung gekennzeichnet.
Bei der ersten visuellen Inspektion der Regale werden sichtbare Schäden, wie Verformungen oder Risse und Anzeichen von Verschleiß an Regalrahmen, Traversen, Böden, Verankerungen und anderen relevanten Komponenten erkannt. Dies umfasst auch die Überprüfung der Regalverankerungen und der Bodenverhältnisse.
Es folgt eine Regalprüfung mithilfe von Messgeräten, um Regalbelastungen, Regalwinkel und andere relevante Parameter zu überprüfen. Regalhöhe, -breite und -tiefe sowie die Abstände zwischen den Regalen werden gemessen, um herstellerspezifische Vorgaben einzuhalten.

Eingeschlossen ist auch eine Prüfung zur Traglast, um sicher zu stellen, dass das Regal die vorgesehene Gewichtsbelastung tragen kann. Tauchen hier Unstimmigkeiten auf oder es wird ersichtlich, dass die empfohlene Benutzung durch falsche Beladung oder Platzierung umgangen wurde, muss die Bestückung des Regalsystems optimiert werden. Danach sieht eine Regalprüfung die Inspektion benachbarter Sicherheitseinrichtungen, wie Sicherheitsriegel, Anfahrschutz und Notausgänge vor.
Mängel, die während der Regalprüfung festgestellt wurden, alle weiteren Probleme sowie Empfehlungen zur Behebung werden sorgfältig dokumentiert und wiederauffindbar abgelegt. Dies schließt auch Fotos ein, um den Zustand der Regale zu belegen, und die farbliche Markierung von Beschädigungen.

Hierfür wird ein sogenanntes Ampelsystem verwendet, welches die gefundenen Mängel in drei unterschiedliche Schadensklassen unterteilt. Diese Farbmarkierungen werden an der Regalanlage mit einer Prüfplakette sichtbar gemacht. So können Mängel jederzeit leicht aufgefunden werden.
Nach der Erfassung erfolgt eine Risikobewertung, die dabei hilft, die Instandhaltungsmaßnahmen nach Dinglichkeit und Umfang zu priorisieren. Kleine Schäden wie lockere Verbindungen können direkt beseitigt werden. Für die Behebung von größeren Schäden sollte die Bestellung von Ersatzteilen oder Ersatzregalen eingeleitet werden.

Der abschließende Bericht enthält zusammenfassend alle Ergebnisse der Regalprüfung sowie alle durchgeführten Reparaturen und Maßnahmen. Nach der Inspektion legen Sie den Zeitpunkt für die nächste Regalprüfung fest und planen präventive Wartungsmaßnahmen. Nach der jährlichen Prüfung sollte eine regelmäßige Überwachung der Regale durch qualifizierte Mitarbeitende vor Ort eingerichtet werden, um zu gewährleisten, dass sie in einem sicheren und stabilen Zustand bleiben.

Checkliste für Regalprüfungen gemäß DIN EN 15635

Wir haben hier nachfolgend noch einmal die praktischen Aspekte der Regalprüfung für Sie zusammengefasst.

Wöchentliche Sichtprüfung

– Regalbauteile auf erkennbare Verformungen und Beschädigungen
– Standfestigkeit der Regale (Kippsicherheit)
– Ob Belastungs- und Informationshinweise vorhanden sind
– Prüfung der Sicherheitseinrichtungen auf Befestigung und Funktionsfähigkeit (z. B. Anfahrschutz)
– Sind Paletten falsch eingelagert, beladen oder beschädigt
– Einhaltung der Sicherheitsabstände
– Beseitigung von kleinen Mängeln (gelockerte Schrauben, Haltevorrichtungen etc.)
– Einleitung der Beseitigung größerer Schäden nach Sichtung und Dringlichkeit

Jährliche Prüfung

– Identifizierung der Prüfungsbereiche im Lager und der zu prüfenden Regaltypen
– Bereitstellung von Unterlagen, wie Baupläne und Herstellerinformationen
– Prüfzeitplan festlegen
– Prüfungsbereich zugänglich machen
– Schriftliche Dokumentation über alle Regalstandorte und -typen
– Visuelle Inspektion der Regale auf sichtbare Schäden
– Überprüfung der Regalverankerungen und der Bodenverhältnisse
– Regalprüfung mithilfe von Messgeräten
– Prüfung zur Traglast und Abgleich mit der vorgesehene Gewichtsbelastung
– Prüfung benachbarter Sicherheitseinrichtungen, wie Sicherheitsriegel, Anfahrschutz und Notausgänge
– Schadenprotokollierung nach Ampelsystem
– Risikobewertung und Priorisierung der Instandhaltungsmaßnahmen
– Anfertigung eines umfassenden Prüfungsberichtes
– Einleitung der Beseitigung von Schäden der Kategorie 2 (orange Markierung)
– Vorbereitende Maßnahmen für die Beseitigung der Schäden der Kategorie 3 (rote Markierung)
– Nachfolgende, regelmäßige Sichtkontrollen nach eingangs festgelegtem Prüfungsintervall

Wir hoffen, Ihnen einen hilfreichen Überblick über das Thema Regalprüfungen gegeben zu haben. Für weitere Informationen besuchen Sie gerne unsere Webseite, wo wir unter anderem Checklisten für die Regalprüfung und weitergehende Informationen sowie Ansprechpartner zur Verfügung stellen.

Weiterführende Informationen für Unternehmer

Für die, die sich tiefgehender über gültige Normen und Vorschriften informieren möchten, empfehlen wir folgende Quellen, bei denen Sie die aktuellen Fassungen erwerben oder kostenlos einsehen können:

DIN EN 15095 „Kraftbetriebene verschiebbare Paletten- und Fachbodenregale, Umlaufregale und Lagerlifte – Sicherheitsanforderungen“
DIN EN 15512 „Ortsfeste Regalsysteme aus Stahl – Verstellbare Palettenregale – Grundlagen der statischen Bemessung“
Vorschriften der Betriebssicherheitsverordnung
DIN EN 15635 „Ortsfeste Regalsysteme aus Stahl, Anwendung und Wartung von Lagereinrichtungen“
DGUV Regel 108-007

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