Zum Internationalen Weltfrauentag: Die vermeintlichen Rechte der Frauen im Iran

Frauen in iranischen Gefängnissen: zwangsverheiratet, vergewaltigt und exekutiert

Der Internationale Weltfrauentag am 08. März findet dieses Jahr zum 102. Mal statt, seit 1921 wird er weltweit gefeiert. Der Tag der Vereinten Nationen entstand um die Zeit des Ersten Weltkrieges und steht für die Rechte der Frauen und den Weltfrieden. Auch gut hundert Jahre später mahnt dieser Tage nicht nur an Missstände der Vergangenheit. Die Diskriminierung von Frauen prägt unsere Welt bis heute, an vielen Orten der Erde und in den unterschiedlichsten Bereichen und Ausprägungen.

 
Im Iran werden Menschenrechte im Allgemeinen permanent verletzt. Massenhinrichtungen stehen an der Tagesordnung, Tausende von Menschen sind in iranischen Gefängnissen eingesperrt und fürchten um ihr Leben. Die Todesstrafe im iranischen Gottesstaat wird schnell verhängt und ausgeführt. Vorgeworfene Drogendelikte, Ungläubigkeit, nicht erwünschte politische Äusserungen – die Gründe sein Leben verwirkt zu haben, sind dort mannigfaltig.

 
Selbstredend ist, dass für die zum Tode verurteilten Männer die Strafe nicht weniger fatal ist, als für die Frauen. Doch die iranischen Frauen haben aufgrund ihres Geschlechts noch weniger „Rechte“. Weibliche Zeugen sind vor Gericht nicht zulässig, solange sie nicht von einem männlichen Zeugen unterstützt werden. Ein Mann bekommt nicht zwingend die Todesstrafe, wenn er seine Frau umbringt, im umgekehrten Fall jedoch schon. Das heiratsfähige Alter der Iranerinnen wurde von 18 auf 9 Jahre herabgesetzt, ab dann gelten  sie auch für voll straffähig. Männer hingegen können erst ab dem 15. Lebensjahr für ihre Taten verantwortlich gemacht werden. Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt der unterschiedlichen Rechte von iranischen Frauen und Männern.

 
Wenn eine iranische Frau sich bei einer Vergewaltigung nicht wehrt, wird sie wegen unkeuschen Verhaltens gesteinigt. Bringt sie jedoch den Vergewaltiger in Notwehr um, wird sie nach dem Recht der Vergeltung gehängt. Trotz der ständigen Gefahr im Iran die Todesstrafe für Äusserungen der eigenen Meinung zu bekommen, protestieren seit vielen Jahren Frauen öffentlich gegen das vorherrschende Regime. Nicht wenige von ihnen haben ihr couragiertes Verhalten mit dem Leben bezahlen müssen. Leider viel zu viele, um sie an dieser Stelle namentlich aufführen zu können.

 
Iranische Frauen haben sich nicht einfach mit ihrem Schicksal abgefunden, als Mensch zweiter Klasse behandelt zu werden. Zudem geht es nicht nur um Gleichberechtigung zwischen iranischen Frauen und Männern. Politisch engagierte Frauen kämpfen ebenso um die Rechte ihrer männlichen Landsmänner. Die Menschenrechte beider Geschlechter werden von der iranischen Theokratie mit Füssen getreten. Doch müssen Frauen zusätzlich mit Männern zurechtzukommen, die sie entwürdigen und  in den Tod schicken.

 
Laut iranischem Recht darf keine Jungfrau hingerichtet werden. Vorehelicher Verkehr ist ebenso unzulässig. Daraus folgt, dass die beschuldigte Frau erst geehelicht und die Ehe vollzogen werden muss, um ihre vorgesehene Strafe zu erfahren. Die gängige Praxis: Ein Gefängniswärter „heiratet“ die Frau, vergewaltigt sie und schliesslich wird sie gesetzeskonform exekutiert. Ein iranischer Mann kann bereits verheiratet sein; die im Gefängnis zwischen Wärter und Insassin vollzogenen Ehen gelten als „befristet“ und es nicht limitiert, wie viele kurzzeitige Ehefrauen ein Mann neben seiner eigentlichen „Hauptfrau“ haben darf, wie aus iran-bulletin.org und anderen Quellen hervorgeht.

 
Wie die britische Zeitung „The Guardian“ berichtete, werden politisch aktive Frauen häufig mit Männern zusammen inhaftiert und von ihnen vergewaltigt, offensichtlich scheint es geduldeter Alltag in iranischen Gefängnissen zu sein. Dem ehemaligen iranischen Präsidentschaftskandidaten Mir Hossein Mousavi zufolge sind Vergewaltigungen in vielen iranischen Gefängniszellen üblich und akzeptiert, wie er in einem Brief auf Kaleme.com  veröffentlichte. Laut offiziellen iranischen Angaben befinden sich zudem rund siebzig Kinder in den Haftanstalten des Landes. Die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen. Anderen noch unbestätigten Quellen nach leben dort weit mehr Kinder, nicht selten aus Vergewaltigungen hervorgegangen; sowohl Babygeschrei als auch Kinderstimmen dringen aus den Zellen.

 
Das Leid, welches Frauen häufig in iranischen Gefängnissen zugefügt wird, ist unvorstellbar. Sie werden unter schlimmsten Bedingungen inhaftiert, geschändet und schliesslich getötet. Wenngleich neunjährige Mädchen im Iran schon als erwachsene Frauen gelten, so handelt es sich doch in Wahrheit noch um Kinder. Einige inhaftierte Mädchen werden in iranischen Haftanstalten zwangsweise schon zur Mutter gemacht. Manche Kinder werden jedoch gar nicht erst in das Gefängnisleben hineingeboren, da auch schwangere Frauen exekutiert werden.

 
Doch gleich, ob eine Frau nun neun oder neunundneunzig Jahre alt ist, die Todesstrafe ist für die jeweilige Frau das härteste Urteil, welches ein Mensch bekommen kann. Selbst wenn anlässlich des Internationalen Weltfrauentages der Fokus dieses Artikels auf den Menschenrechtsverletzungen und  der Todesstrafe gegenüber Frauen im Iran liegt, so möchte ich doch betonen: Auch Männer werden dort gequält, erfahren  nicht selten Folter und werden massenhaft hingerichtet. Das Wort „Menschenrecht“ spricht zudem in diesem Punkt für sich selbst, die Rechte gelten für Frauen und Männer gleichermassen. Doch so unglaublich es auch klingen mag, da im Iran die Menschen per se keine wirklichen Rechte haben und Menschenrechte wieder und wieder verletzt werden: Frauen haben dort sogar noch weniger Rechte als Männer, das ist ein Faktum.

 
Der iranische Gottesstaat gewährt seinem Volk seltenst Gnade, wenn das Verhalten der Bürger nicht mit den herrschenden Regeln absolut einhergeht. Nicht wenige Iranerinnen und Iraner versuchen seit vielen Jahren die Zustände des Landes zu verbessern und bekennen sich öffentlich gegen das Regime. Viele haben dafür mit ihrem Tod bezahlt. Es ist wichtig und für die viele Bewohner des Irans offenkundig lebensnotwendig, dass sich auch Menschen ausserhalb dieser Theokratie für die Einhaltung der Menschenrechte einsetzen!

 
Kein Mensch sollte einen anderen Menschen töten. Im Falle des Irans wird die Todesstrafe für die unterschiedlichsten Vergehen verhängt. Doch gleich ob ein Mensch nun unschuldig zum Tode verurteilt wird oder er tatsächlich ein Verbrechen begangen hat; ein Todesurteil ist niemals Abwägungssache. Es ist nicht gerechtfertigt zu urteilen, dass ein Mensch aufgrund einer bestimmten Tat den Tod verdient hat, auch ein Mörder sollte nicht ermordet werden. Um für die Einhaltung der Menschenrechte einzustehen, muss die Todesstrafe abgeschafft werden.

 
Nadine Blumensaat
Initiative gegen die Todesstrafe e.V.

http://www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de

 

Nadine Blumensaat