Was machen Gänsegeier mit Reisigbündeln?

Veröffentlicht Donnerstag, 7. Februar 2008

Auf dem Bestellzettel standen 200 Reisigbündel und als Verwendungszweck nicht etwa das Stichwort „Kehrarbeiten", sondern „Bruthilfe für Gänsegeier". Im Zoo ist halt alles etwas anders als draußen im normalen Leben.

Auf einer seiner gelungenen Gemeinschaftsanlagen hält der Zoo Duisburg Stachelschweine, Helmperlhühner, Afrikanische Marabus und vier Gänsegeier. Einer davon kam vor Jahren aus dem benachbarten Zoo Gelsenkirchen, die anderen drei aus einer spanischen Auffangstation. Alle vier Gänsegeier sind flugunfähig und konnten bedenkenlos auf die Freianlage gesetzt werden. Glücklicherweise und wie erhofft fand sich aus den zwei Männchen und zwei Weibchen je ein Paar zusammen.

Gänsegeier zählen mit einer Flügelspannweite von etwa 2,5 m zu den größten Vögeln in ihrem weiten Verbreitungsgebiet, das sich von Afrika über Süd- und Osteuropa bis nach Asien erstreckt. Sie sind an ihrem fahlbraunen Gefieder und dem langen, weißlich bedunten Hals zu erkennen. Erwachsene Vögel haben eine weiße Halskrause, die bei den Jungvögeln noch braun gefärbt ist.

Gänsegeier sind in weiten Teilen Europas ausgerottet. Die Zerstörung des Lebensraumes durch menschliche Erschließung und das Auslegen von Giftködern zur Bekämpfung von Füchsen sind die Hauptgründe, die zum Rückgang der Geiervögel führten. Heute bemüht man sich um ihre Wiederansiedlung, insbesondere im Alpenraum und in den Pyrenäen.

Die Fortpflanzungszeit beginnt in den Wintermonaten. In der Wildbahn wird das einfache, aus zusammengetragenen Zweigen, Gräsern und Fellstücken erbaute Nest auf einem Felsvorsprung errichtet. Gänsegeier legen nur ein Ei, das etwa 50 Tage lang bebrütet wird. In Zoologischen Gärten errichtet man oft Nisthilfen aus Naturholz und animiert die Vögel zum Bau, indem - quasi als „Starter" - Reisig eingeflochten wird.

Zurzeit können die Zoobesucher die Gänsegeier dabei beobachten, wie sie die Nisthilfen inspizieren und auf ihre Tauglichkeit hin überprüfen. Fällt das Urteil positiv aus, schleppen die Geiervögel weiteres Nistmaterial heran und gestalten ihre Nester. Im Übrigen müssen genügend Hilfen vorhanden sein, denn auch die Afrikanischen Marabus erachten die Nisthilfen als nützlich für ihr Brutgeschäft.

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