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Selbstbeschränkung oder Selbstauflösung - Zukunftsperspektiven für die Regierungskommission DCGK
GermanBoardRoom fordert schon länger die "freiwillige Selbstbeschränkung" der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex und die konsequente Einhaltung der "Meta-Ebene" für den Kodex und erhält nun prominente Unterstützung durch Lufthansa Aufsichtsratschef Jürgen Weber. Hier finden Sie Auszüge aus der Rede von Jürgen Weber, die dieser am vergangenen Mittwoch (29.9.2010) bei der Schmalenbach-Gesellschaft in Düsseldorf„Perspektiven der Corporate Governance
in der nächsten Dekade“
64. Dt. Betriebswirtschafter-Tag
29. September 2010
- Es gilt das gesprochene Wort –
Sehr geehrte Damen und Herren,
…
Acht Jahre gibt es jetzt den DCGK, meine Damen und Herren – ist unsere Welt deshalb moralischer geworden?
***
Vermutlich weil man weiß, dass ich kein Esoteriker bin und die Unternehmenspraxis eher auf handfeste Art erlebt und gestaltet habe, hat man mich wohl auserkoren, über die „Perspektiven der Corporate Governance in der nächsten Dekade“ zu orakeln. Nun denn: Ich verspreche Ihnen eine Betrachtung, die gängiger „political correctness“ nicht unbedingt folgen wird.
Wissenschaftliche Abhandlungen gibt es bekanntlich in wachsender Zahl. Welche Ausführung könnte zum Beispiel die exakte Darlegung der Corporate Governance-Wirklichkeit übertreffen, wie sie der Kodex Report 2010 schildert? Beide Autoren, die Professoren von Werder und Talaulicar, haben in der Zeitschrift „Der Betrieb“ einen profunden Aufsatz dazu veröffentlicht – die Publikationen sind Ihnen allen bekannt und zugänglich. Nichts könnte aktueller sein.
Oder denken Sie an die seitenstarken Kommentare – bei Beck erschienen –, die, in guter, etwa zweijähriger Folge, die Bücherregale von Vorständen, Aufsichtsräten und Konzernjustitiaren schmückend ergänzen. Gar nicht eingehen will ich auf die vielen klugen Bücher und Symposien führender Unternehmensberatungen.
Ich sage dies völlig ohne Ironie, denn ich habe selbst interessante Erkenntnisse und Rückschlüsse aus allem ziehen können: Etwa jene aus dem Kodex Report 2010, dass sich die Akzeptanz der Empfehlungen – wie auch vieler Anregungen des DCGKs – mittlerweile auf einem sehr hohen Niveau stabilisiert hat.
Mich wundert das nicht wirklich. …Was folgt daraus? Nun: …Die Wirtschaft hat fleißig ihre Schulaufgaben abgeliefert und fügt ihren Geschäftsberichten zu diesem Thema gerne neue Kapitel an.
Können wir uns also gelassen zurücklehnen? ...
***
Ich befürchte „nein“, meine Damen und Herren. Nicht etwa, weil die deutsche Wirtschaft „rückfällig“ zu werden droht… Der Trend, den ich sich abzeichnen sehe, ist, dass der Zug durch politisch vorgegebene Weichenstellungen auf gewagte Nebenstrecken zu geraten scheint.
Weil nämlich der Kodex sich zunehmend in Detailfragen der Unternehmensleitung und deren Überwachung vertieft, hat er sich allmählich vom Zweck seiner eigentlichen Sendung entfernt, nämlich:
- einen Ordnungsrahmen vorzugeben für die Spielräume aller, ich betone aller, Stakeholder eines Unternehmens
- wie auch den nationalen, besonders aber den internationalen Investoren die deutsche duale Unternehmensverfassung schmackhaft zu machen.
Zumal er mit dem gravierenden Geburtsfehler behaftet ist, den wichtigen Bereich der Mitbestimmung ausgeklammert zu haben.
Unwuchten werden erkennbar.
Und wir erleben es, dass der Kodex allmählich von der Politik als eine Art Versandhauskatalog für gesellschaftspolitische „Issues“ ausgewertet wird. Nach folgendem Muster: Aus Anregungen des Kodex’ werden über Jahr und Tag Empfehlungen. Worauf diese Empfehlungen bei der themensuchenden Politik Aha-Effekte auslösen mit der Folge: Es dauert nicht lange, und der Gesetzgeber wird tätig.
Ich glaube gerne, dass es ein redliches Bestreben der Regierungskommission ist, mit Kodex Anregungen und Empfehlungen entsprechenden Gesetzesvorlagen den Boden zu entziehen. Aber inwieweit dies auf Dauer gelingt, lässt sich ebenso schwer beantworten wie die Frage, was denn früher gewesen sei – die Henne oder das Ei.
Ich meine, der freiheitliche Ansatz von subtilem „soft law“ bleibt allmählich auf der Strecke, und er wird peu à peu umgewidmet in gesetzgeberische „affirmative action“.
Worauf sich dann bald folgerichtig Cooper’s schönes „Gesetz über Gesetze“ wieder einmal bestätigen dürfte, das da lautet: „Eine Vermehrung neuer Gesetze bringt auch eine Vermehrung neuer Hintertürchen“.
Ich frage Sie: Kann das die Perspektive von Corporate Governance sein?...
Meine Damen und Herren,
Ich meine: Es ist an der Zeit, den lobenswerten Anstoß, …durch einen deutschen Corporate Government Kodex in den Unternehmensleitungen das Bewusstsein für ethische Unternehmensführung geschärft zu haben, als abgearbeitet zu betrachten und sich wieder auf die unternehmerische Tagesarbeit zu konzentrieren. Nach dem guten Grundsatz: „The business of business is business“.
Dann folgt alles weitere ganz von selbst.
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Das Leitbild von GermanBoardRoom ist „der professionelle Aufsichtsrat in Zeiten globaler Corporate Governance.“
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