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Automatisierung stärkt heimische Produktion

Dank des Einsatzes von Automatisierungstechnik können Produktionsver­lagerungen ins Ausland vermieden werden, war eine der Aussagen der AUTOMATION 2008. Die Entwicklung und Zukunft der Automatisierungstechnik in Deutschland bezeichnen Spezialisten als sehr gut: Über 74 Prozent bescheinigten den Her­stellern in einer Expertenumfrage eine sehr positive Entwicklung. Vor 370 Experten aus der Automati­sierungstechnik stellte Dr. Eberhard Veit, Vor­stands­­­vorsitzender von Festo, zum Beginn des vom VDI Wissensforum organisierten Kongresses Zukunftstrends in der Automation vor. Neben einer Weiterentwicklung der Unternehmen zum „Full-Chain“-Lieferanten würden in Zukunft die Faktoren „Mensch, Wissen und Weiterbildung“ einen immer größeren Einfluss gewinnen. 60 Vorträge und 50 Posterpräsentationen mit den Schwerpunkten Prozess- und Fertigungsautomation förderten am 3. und 4. Juni in Baden-Baden den fachlichen Austausch unter den Experten aus Industrie und Wissenschaft. Auf der begleitenden Fachausstellung stellten über 20 Unternehmen neue Entwicklungen vor und standen für Gespräche bereit. Bei der Abendveranstaltung wusste Professor Heinz-Otto Peitgen, Mevis Bremen, mit einem Festvortrag zur Chaosforschung zu begeistern. Der Kongress AUTOMATION 2009 findet am 16. und 17. Juni in Baden-Baden statt und wird – wie erstmals in diesem Jahr – neben der VDI/VDE-Gesellschaft Mess- und Automatisierungstechnik (GMA) auch von der NAMUR und dem ZVEI-Fachverband Automation unterstützt.

Eberhardt Veit stellte Trends für die Zukunft der Automation vor. Download weiterer Bilder unter www.automatisierungskongress.de

Potenziale am deutschen Standort nutzen

Eine vom VDI in Auftrag gegebene Studie des Fraunhofer Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI), die während des Kongresses präsentiert wurde, verdeutlichte, dass Produktionsverlagerungen deutscher Unternehmen ins Ausland durch den Einsatz von Automatisierungstechnik vermieden werden können „Statt Fabriken aus Personalkostengründen auf grünen Wiesen in Niedriglohnländern zu errichten, sollten die Unternehmenschefs zunächst die Potenziale am deutschen Standort vollständig ausnutzen“, forderte Professor Gerald Gerlach, Vorsitzender der VDI/VDE-Gesellschaft Mess- und Automatisierungstechnik (GMA). „Mit technischen Maßnahmen wie einem höheren Automatisierungsgrad kann die Wettbewerbsfähigkeit gesteigert werden.“ Die Studie zeigt, dass acht von zehn der abwandernden Betriebe Personalkosten als Hauptgrund für eine Verlagerung sehen. „Doch alleine geringere Personalkosten garantieren noch keine vorteilhaften Gesamtkosten“, erklärte Dr. Steffen Kinkel vom Fraunhofer Institut ISI. „Die Betreuung vor Ort, Anlaufzeiten bis zur sicheren Produktion und die mangelnde Flexibilität im Ausland werden oft unterschätzt.“ Auf der anderen Seite könnten mit technischen und organisatorischen Prozessinnovationen am deutschen Standort die Produktivität um 20 bis 30 Prozent gesteigert werden.

Vom Produktlieferanten zum Systempartner

Kern des Eröffnungsvortrags von Dr. Eberhard Veit bildeten die Ergebnisse einer internationalen Studie von Fraunhofer und Festo. Als Marktpotenzial für die gesamte Fertigungsautomation bis 2014 stellte Veit 26,5 Milliarden Euro in Aussicht, für die Prozessautomation sogar 70 Milliarden. Anhand von Herausforderungen, die Kunden an die Automatisierungstechnik stellen werden, erläuterte Veit, wie sich die Anbieter im Hinblick auf den Wettbewerb im Jahr 2014 aufstellen müssen. Ein wichtiger Trend sei die Weiterentwicklung vom Produktlieferanten über den Systemlieferanten zum „Full-Chain“-Lieferanten mit komplettem Serviceangebot. Neben den Vorteilen für den Kunden bei einer solchen Systempartnerschaft ließe sich für den Anbieter eine höhere Wertschöpfung erzielen. Um am globalen Markt bestehen zu können, müssten sich die Unternehmen weltweit so aufstellen, dass sie vor Ort Service bieten können sowie die Vorschriften und Eintrittsbarrieren in einem Markt kennen. Immer wichtiger werde in Zukunft auch die Qualifikation der Mitarbeiter sein, mit der sich die Unternehmen im Wettbewerb absetzen können. „Was der Kunde nicht versteht, kauft er nicht“, unterstreicht Veit die Bedeutung des Know-hows als wichtigsten „Rohstoff von Deutschland“.

Know-how in Industrie und Forschung

Um die Förderung des Know-hows ging es auch bei den 60 Fachvorträgen und 50 Posterpräsen­tationen zu den Schwerpunkten Prozess- und Fertigungsauto­mation, die die 370 Teilnehmer zu vielen fachlichen Diskussionen anregten. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Teilnehmerzahl um 20 Prozent an. Die begleitende Fachausstellung wuchs sogar um über 90 Prozent auf 23 teilnehmende Unternehmen und Institutionen. Unter den Vortragenden befanden sich zahlreiche technische Fach- und Führungskräfte von Herstellern und Anwendern der Mess- und Automatisierungstechnik. Unter anderen präsentierten Vertreter von Siemens, Pepperl+Fuchs, Emerson, BASF, Bayer, ABB, Endress+Hauser oder Festo neue Entwicklungen. Ebenso stellten Experten aus Forschung und Wissenschaft neue Ergebnisse vor. So waren beispielsweise die RWTH Aachen, die TU Kaiserslautern, die TU Ilmenau, die TU München oder die Universität Rostock mit aktuellen Beiträgen vertreten.

Ehre dem Ehre gebührt!

Während der Abendveranstaltung wurde Dieter Schaudel mit der Otto-Winkler-Ehrenmedaille ausgezeichnet. Damit honoriert die VDI/VDE-Gesellschaft Mess- und Automatisierungstechnik (GMA) das herausragende ehrenamtliche Engagement von Schaudel mit ihrer höchsten Ehrung. In den Jahren zwischen 1996 und 2003 war der diplomierte Elektroingenieur Mitglied des Vorstands und des Beirats der GMA und war von 1998 bis 2000 stellvertretender Vorsitzender. Schaudel ist Vorstand Technologie, Technik, Logistik und Informatik der Endress+Hauser Gruppe, Reinach (Schweiz). Die Tagungsbeiträge sind im VDI-Bericht 2032 auf 390 Seiten sowie einer CD-ROM zusammengefasst und können für 90 Euro beim VDI-Verlag in Düsseldorf bestellt werden.

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