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In Deutschland sind 4 bis 5 Prozent der Menschen von einer Legasthenie (Lese-Rechtschreibstörung) betroffen. Trotzdem gibt es kein Berufsbild eines Legasthenietherapeuten. Der Begriff Lerntherapeut oder auch andere Bezeichnungen sind frei gewählt und sagen nichts über die Qualifikation des Therapeuten aus. Lenas Mutter hat den BVL um Beratung gebeten, denn Lena soll jetzt weiter zur Hauptschule gehen, obwohl sie die Begabung für die Realschule oder das Gymnasium hätte. Im Gespräch mit der Klassenlehrerin hat Lenas Mutter den Rat erhalten, mit der Tochter mehr zu üben und die außerschulische Förderung aufzugeben, weil sie Unsinn sei. Viele Eltern verzweifeln, weil sie nicht mehr wissen, wie es für ihre Kinder weiter gehen soll. „Gerne würde ich mit Lena zu Hause üben, ich weiß aber nicht wie. Wenn ich mit Lena den Unterrichtsstoff wiederhole, wird sie immer aggressiv, weil sie keine Erfolge beim Lernen hat. Selbst die Tropfen, die uns die Therapeutin zur Überwindung der Lernstörungen empfohlen hat, helfen nicht", berichtet die Mutter.
In wissenschaftlichen Langzeituntersuchungen wurde nachgewiesen, dass Legastheniker langfristig nur von Förderansätzen profitieren, die nah am Schriftspracherwerb ansetzen und individuell auf die Bedürfnisse eingehen. „Lesen lernt man nur durch Lesen und Rechtschreibung durch ein gut strukturiertes Rechtschreibtraining", erläutert die Pädagogin Petra Dröse vom BVL-Vorstand. „Es gibt viele sinnvolle Förderansätze, die schulisch und außerschulisch eingesetzt werden können. Man muss auch offen darüber sprechen, dass einige Legastheniker eine Einzelförderung benötigen", fordert Petra Dröse.
Schulisch findet Förderung wegen fehlender Stundentafeln und mangelnder Weiterbildung der Lehrer selten anforderungsgerecht statt. Die Bildungspolitik hat es versäumt, die Mittel für eine qualifizierte Aus - und Fortbildung der Pädagogen sowie genügend Förderstunden bereit zu stellen. So geraten Eltern oft an nicht ausreichend qualifizierte Therapeuten. Der BVL hat aus diesem Grund einen Standard formuliert, welche Ausbildung ein qualifizierter Therapeut haben sollte. „Diese Standards sollten auch für die Lehreraus- und Fortbildung Grundlage sein", so Dröse.
Lenas Mutter hat jetzt entschieden, einen qualifizierten Dyslexietherapeuten zu suchen. Leider steht der Schulwechsel schon kurz bevor und Lena wird auf die Hauptschule wechseln. „Ich bin sauer, weil wir 3 wertvolle Jahre verloren haben. Lena muss jetzt darunter leiden, dass wir uns für die falsche Therapie
entschieden haben, obwohl sie durch die frühe Diagnostik sehr gute Chancen gehabt hätte. Wir alle haben versagt: Schule, Eltern und Therapeut. Schade, dass ich erst jetzt die Beratung beim BVL gesucht habe", bedauert Lenas Mutter.
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