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Um so unverständlicher sei diese Entwicklung, weil nicht jede Verlagerung die erhoffte Kostensenkung bringe. "Unternehmen agieren hier teilweise sehr kurzsichtig und unprofessionell", kritisiert Braun, "da sie schlicht und einfach viele Kosten nicht berücksichtigen." Die Folge: Immer mehr Unternehmen machen ihre Entscheidung wieder rückgängig und verlagern die Produktion zurück. Braun: "Was wir erleben, ist eine Renaissance des Standorts Deutschland."
Hauptmotiv für die Verlagerung sind nach der Untersuchung in erster Linie die Personalkosten. "Genau diese Betrachtungsweise ist problematisch", erklärt Dr. Steffen Kinkel vom Fraunhofer ISI. "Denn die Lohnkosten machen in vielen Betrieben nur noch 10 Prozent der Gesamtkosten aus, die hier zu erzielende Hebelwirkung ist also begrenzt." Er wünscht sich von den Unternehmen eine ehrlichere Vollkostenrechnung, die etwa auch künftige Entwicklungen mitberücksichtigt. "Die Anlaufzeiten am neuen Standort, das Netzwerk vor Ort oder etwa die Kosten für die Betreuung und Kontrolle werden häufig nicht berücksichtigt", sagt Kinkel. Im Ergebnis der Studie profitieren Betriebe eher von marktorientierten Produktionsverlagerungen, d.h. wenn dadurch auch neue Märkte erschlossen werden.
Dass Produktion in Deutschland sich lohnt, zeigt der Weltmarktführer Rittal, Systemanbieter für Schaltschränke. 70 Prozent des Umsatzes macht das Unternehmen im Ausland, aber 70 Prozent der Produktion findet in Deutschland statt. "Wir haben uns bewusst für Made in Germany entschieden", sagt Norbert Müller, der Vorsitzende der Geschäftsführung bei Rittal. "Die breite Wirtschaftsstruktur und die hohe Qualifikation der Mitarbeiter sprechen für Deutschland. Der Standort ist weiterhin hoch attraktiv."
Unterstützung bei der Standortbewertung bietet das Fraunhofer-Institut an. Eine spezielle Software liefert belastbare Ergebnisse für die Entscheidung zugunsten oder zulasten der Produktion in Deutschland.
Die vollständigen Studienergebnisse: www.vdi.de/studien.
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