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Boys' Day im Stuttgarter Kinderhaus Steppkes: "Wäre 'Erzieher' etwas für mich?"
Vier Jugendliche, Daniel, Dominik, Christian und Matthias, verbrachten den Boys' Day, der Jungen ungewohnte berufliche Perspektiven eröffnet, in der Kindertagesstätte Steppkes in Stuttgart-Vaihingen. Sie möchten zwar trotzdem nicht Erzieher werden, verlassen die Einrichtung aber mit vielen neuen Eindrücken, die zum Nachdenken anregen. Der Träger wirbt auch im Interesse der Kita-Kinder für mehr Männer in der Frühpädagogik: "Kinder brauchen männliche Rollenvorbilder im Alltag."
Stuttgart (eos) - "Es ging im Kinderhaus gar nicht so chaotisch zu, wie ich erwartet hatte", sagt der zwölfjährige Dominik erstaunt. Auch Daniel, 15, wundert sich: "Hier gibt es mehrere ganz unterschiedliche Räume. Die Kinder haben viel Platz und viele Möglichkeiten." "Früher sahen Kindergärten ganz anders aus. Da war ein Gruppenraum mit Bau-, Bastel- und Puppenecke", erinnern sich die Gymnasiasten. Dominik aus Ludwigsburg, sowie Daniel, Christian und Matthias, die aus Winnenden angereist waren, besuchten die Kindertagesstätte Steppkes des freien Trägers KiND e.V. im Stuttgarter Stadtteil Vaihingen im Rahmen des Boys' Day am 23. April.
Viele Jungen gut für pädagogische Berufe geeignet
Unter dem Titel "Neue Wege für Jungs" etablierte sich der Boys' Day neben dem Girls Day bundesweit zum Zukunftstag, der Jugendlichen berufliche Perspektiven abseits ausgetretener Rollenzuschreibungen aufzeigen will. "Jungen entscheiden sich mehrheitlich für technisch-handwerkliche Berufe", sagt Carola Kammerlander, pädagogische Geschäftsführerin der Konzept-e für Bildung und Soziales GmbH, die das Kinderhaus im Auftrag des Trägervereins leitet. "Dass soziale Tätigkeiten, wie die des Erziehers, für sie in Frage kommen könnten, daran denken die Jungen überhaupt nicht. Dabei wären viele von ihnen in diesem anspruchsvollen Beruf sicher genau an der richtigen Stelle."
Nur fünf Prozent Erzieher
Die Fakten bestätigen diese Einschätzung: Nur etwa fünf Prozent der pädagogischen Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen sind männlich. Diese Zahl veränderte sich in den letzten Jahren kaum. "Dabei brauchen Kinder männliche Rollenvorbilder im Alltag - und nicht nur auf den Fernsehschirmen", betont Konzept-e-Pädagogin Regina Butz, die die Boys'-Day-Aktion organisierte. "In den von Konzept-e geführten insgesamt 18 Einrichtungen achten wir daher darauf, zumindest jeweils einen Erzieher zu beschäftigen." Männer kämen nämlich sehr gut mit kleinen Kindern klar. Studien zeigten, dass sie sich spontan richtigen verhielten und den Kindern - im positiven Sinne - mehr zumuteten als Frauen dies täten. Das mache die Kids selbstbewusst, mutig und stark.
"Dazu hätte ich nicht die Nerven"
Viele der männlichen Pädagogen sind, wie Steppkes-Erzieher Gunnar Jäger, Quereinsteiger. Jäger lernte Schreiner, war eine zeitlang Testfahrer für Autos und entdeckte erst relativ spät die Frühpädagogik als sein Metier. Auch seine jugendlichen Gäste Daniel, Dominik, Christian und Matthias können sich nicht vorstellen nach dem Abitur Erzieher zu werden oder ein Pädagogikstudium zu beginnen. "Den ganzen Tag mit Kindern? - Dazu hätte ich nicht die Nerven", meint der 15jährige Christian. Matthias, 14, sagt: "Ich könnte mir das schon vorstellen, aber nur ehrenamtlich nebenher. Als Beruf käme das für mich auch nicht in Frage."
Rollenbilder verändern sich nur langsam
"Nach ein paar Stunden in der Kita sieht die Welt nicht völlig anders aus. So schnell kommen tradierte Vorstellungen, welche Berufe für Jungen 'passen', nicht ins Wanken", resümiert Butz. "Es ist deshalb wichtig, immer wieder Einblicke in soziale Berufe zu bieten. Sie sollen sich ja weiterhin für technische Berufe entscheiden dürfen. Wir möchten aber, dass sie nicht darauf festgelegt sind. Die ganze Bandbreite der Möglichkeiten soll ihnen auch tatsächlich offen stehen. Dazu konnten wir heute - hoffe ich - einen Beitrag leisten."
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