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Schau’ mir in die Augen, Kleines

In der griechischen Mythologie erschuf die Göttin Hera sein „hundertäugiges" Federkleid aus dem vieläugigen Riesen Argos, der mit seinen sprichwörtlichen Argusaugen Io bewachte und von Hermes getötet wurde. Er gilt als Symbol von Schönheit, Reichtum, Liebe und Leidenschaft aber auch Unsterblichkeit, Arroganz und Eitelkeit. Im profanen Leben liebt er Autos, zumindest deren glänzenden Autolack, in dem er sich spiegelt. Er ist verrückt nach Blumen und doch wohl eher auf der Suche nach Käfern: der PFAU.

Der wohl älteste Ziervogel der Welt ist aus unseren Parkanlagen nicht mehr wegzudenken und kommt doch ursprünglich aus Indien und Sri Lanka. Ein höchst ausgeprägter Geschlechtsdimorphismus trennt ein eher unscheinbares Weibchen vom farbenprächtigen Hahn, wenngleich die Federkrone am Scheitel noch beiden eigen ist. Der Hahn fällt durch ein leuchtendes Blau an Hals, Brust und Bauch auf. Je nach Lichteinfall kann das Gefieder grünlich und golden schimmern.

Sein charakteristisches Merkmal ist sicher die einzigartige Schleppe. Sie besteht aus stark verlängerten, bis 150 cm langen Oberschwanzdeckfedern, die zu einem fächerförmigen Rad aufgestellt werden können. Der eigentliche Schwanz ist im Übrigen mit nur knapp einem halben Meter viel kürzer, braun gefärbt und besteht aus mehrstufig angeordneten Steuerfedern. Die plastisch leuchtende Federzeichnung von großen, blau irisierenden „Augen" soll Fressfeinde abschrecken, die diese als Augen von großen Säugetieren interpretieren sollen.

In der Verhaltensbiologie bezeichnet man das prächtige Gefieder als visuelles Ornament: es soll ein Indikator für genetische Fitness sein. Nach der Sexy-Son-Hypothese haben die umworbenen Hennen umso mehr Nachwuchs, je mehr Augen das Männchen auf seiner Schleppe zu bieten hat. Man darf sich zu Recht an den berühmten Spruch „Schau' mir in die Augen, Kleines" erinnert fühlen, auch wenn es sich hier um einen der hartnäckigsten und berühmtesten Zitat-Verdreher handelt. Ansonsten ist die lange Schleppe eher hinderlich und setzt das Flugvermögen herab. Das so genannte Handicap-Prinzip besagt aber, dass gerade dieser scheinbare Nachteil für die Hennen bei der Paarung ein Hinweis auf widerstandsfähigen, gesunden Nachwuchs ist. Ein Hahn, der derart gehandicapt ist und dennoch überlebt, hat wertvolle Gene!

Vor nicht allzu langer Zeit trafen aus dem hessischen Opel-Zoo in Kronberg drei neue Pfauen ein, die sich zur vorübergehenden Eingewöhnung noch in den Vogelvolieren gegenüber der Kamelanlage befinden. Ihre Ankunft blieb von den ansässigen Pfauen nicht unentdeckt, gerade auch weil sie gerne mit durchdringenden Rufen auf sich aufmerksam machen. Passend zur jetzt einsetzenden Fortpflanzungszeit balzen die Hähne vor der Voliere ständig ihre neuen Damen an, sehr zur Freude der Besucher. In den kommenden Tagen werden die Pfleger die Volieren öffnen.

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