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Von Tussis und langgezogenen Ohren

Nein, Liebe auf den ersten Blick war es sicher nicht, als Ende der 70er Jahre plötzlich eine ausgewachsene Pinselohrschwein-Bache vor den mit ihren riesigen Hörnern bewehrten Watussi-Rindern auf der Afrika-Anlage stand. Bis dato war die Vergesellschaftung nicht geplant. Vielmehr wurde das anfängliche Pärchen der in den Wäldern Westafrikas beheimateten Schweine in einem eigenen Außengehege untergebracht, auf Sicht- und Geruchskontakt zu den Rindern.

Doch eines Tages staunten die Pfleger nicht schlecht, als ihre Schützlinge die Initiative selbst in die Beine genommen hatten und sich eigenmächtig vergesellschafteten. Ob eine Meinungsverschiedenheit zwischen Eber und Bache der Grund war, dass letztere über die Abgrenzung sprang, ist nicht mehr rekonstruierbar. Weitaus beachtenswerter an dieser Aktion war freilich, dass nie jemand den kapitalen und weit über 100 kg schweren Tieren eine derartige Sprunggewalt unterstellt hätte. Barrieren von 1 m Höhe stellen für Pinselohrschweine also kein Hindernis dar. Und wieder hatte die Zootierhaltung einen Erfahrungsschatz mehr.

Seitdem gehört die gemeinschaftliche Haltung von Watussi-Rindern, deren Bezeichnung von einem gleichnamigen Nomadenstamm in Uganda und Ruanda herrührt, und den bildhübschen Schweinen sicher zu den Erfolgsstorys des Zoo Duisburg. Weder Rind noch Schwein ärgerten sich über die vielen Jahre hinweg in nennenswerter Form, ernsthaftere Verletzungen blieben völlig aus. Sicher setzte ein Watussi dem kleineren Mitbewohner schon einmal mit dem Horn zu, wenn der Weg verbaut war, und schob ihn beiseite. Im Gegenzug zwickte das Schwein, dem anhand der skurril blattartig ausgezogenen Ohren und der Gesichtsmaske der Schelm ins Gesicht geschrieben steht, den Hornträger in die Hinterhand.

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