Der artenreiche, erlesene Wasservogelbestand des Tierparks Berlin ist vor wenigen Tagen um eine Attraktion reicher geworden. Ein Paar der in Tiergärten äußerst seltenen Tanggänse präsentiert sich den Tierparkbesuchern in einem Gehege an der Cafeteria. Auffallend ist der markante Geschlechtsunterschied der Vögel. Das Männchen hat ein reinweißes Gefieder, von dem nur die Augen und der Schnabel schwarz abstechen. Beim Weibchen sind nur Hinterleib, Schwanz und Armschwingen weiß, das übrige Gefieder ist überwiegend schwarzbraun mit schmaler weißer Wellenzeichnung an Flanken und Bauch, der Schnabel ist orangegelb. Die zu den Halbgänsen zählenden Tanggänse bewohnen die Felsküsten der Südspitze Südamerikas und deren vorgelagerte Inseln einschließlich Feuerland und der Falklandinseln. In der Gezeitenzone weiden die Gänse bei Ebbe Grünalgen und Seetang von den Felsen ab. Dieser Nahrung verdanken sie ihren deutschen Namen. Oft werden sie nach der englischen Bezeichnung für Tang (=Kelp) auch Kelpgänse genannt. Ihre relativ kurzen Beine mit starken Krallen sind eine Anpassung an die Nahrungssuche an glitschigen Felsküsten.
Tanggänse gelangten bisher nur vereinzelt nach Europa, so auch bereits 1970 in den Tierpark Berlin. Die dauerhafte Haltung der Nahrungsspezialisten gelang damals jedoch nicht. 1999 wurden Eier der Tanggänse aus Südamerika nach Deutschland importiert. Die daraus geschlüpften Jungvögel wuchsen erfolgreich auf und sorgten für weiteren Nachwuchs. Diese Erfolge waren nur Dank der Entwicklung spezieller Futtermittel durch den bekannten deutschen Wasservogelzüchter Ludger Bremehr möglich, von dem der Tierpark Berlin die kostbaren Tanggänse erhielt.