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GEO-Tag der Artenvielfalt bilanziert rund 1.600 Tier- und Pflanzenarten im Nationalpark Bayerischer Wald

Über 100 Experten für Flora und Fauna erforschten gestern das Artenvorkommen im Nationalpark Bayerischer Wald. Auf 20 Untersuchungsgebieten in dem mehr als 240 Quadratkilometer großen Gebiet dokumentierten sie dabei rund 1.600 Arten.

Außergewöhnliche Funde wurden bei den Pilzen gemacht. Als herausragend bezeichneten die Fachleute den Nachweis des Duftenden Feuerschwamms (Phellinus pouzarii), der an Totholz von 300 bis 400 Jahre alten Tannen lebt und in Deutschland nur im Bayerischen Wald zu finden ist. Bemerkenswert sind auch der Erstfund des Zweisporigen Büscheltintlings (Coprinus bisporus), der auf Wiesent-Dung gefunden wurde, und das Vorkommen des Heidelbeer-Kammpilzes (Phlibia centrifuga). Er findet sich nur in naturbelassenen Wäldern mit urwaldähnlichen Strukturen.

Insgesamt konnten ca. 70 Vogelarten nachgewiesen werden. Auch am GEO-Tag der Artenvielfalt wurde, wie zuletzt häufiger, der Steinadler (Aquila chrysaetos) gesichtet. Er kreiste im Grenzgebiet zum Nationalpark Sumava, was auf eine Ansiedlung in naher Zukunft hoffen lässt. Die günstigen Lebensbedingungen im Nationalpark durch die Vielzahl von Borkenkäferbäumen ermöglichten mehreren Experten, den Dreizehenspecht (Picoides tridactylus) zu beobachten. Jungvögel zeigten den Bruterfolg des Habichtskauzes (Strix uralensis) an, der innerhalb Deutschlands nur im Bayerischen Wald vorkommt.

Besonders hervorzuheben bei den Funden der Käfer sind der Rüsselkäfer (Hexarthrum duplicatum) - deutschlandweit vom Aussterben bedroht -, der Hochmoorläufer (Carabus menetries) und der zu der Gruppe der Blatthornkäfer gehörige Oxythyrea funesta. Der ursprünglich aus warmen Steppen stammende Käfer wurde jetzt erstmalig in bayerischen Hochlagen gefunden. Dies ist ein Hinweis auf regionale Klimaerwärmung.

Die Ergebnisse unterstreichen, dass der Nationalpark mit seinen unterschiedlichen Lebensräumen und seiner hohen Strukturvielfalt, die nach dem Motto "Natur Natur sein lassen" gefördert wird, für eine raue Bergwelt-Landschaft überraschend reich an Arten ist.

Projekte in ganz Deutschland und darüber hinaus Insgesamt gibt es in diesem Jahr in Deutschland, Österreich und der Schweiz wieder über 400 Aktionen zum GEO-Tag der Artenvielfalt, an denen mehr als 20.000 Menschen beteiligt sind. Weitere Projekte finden in Griechenland, Chile und Taiwan statt.

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