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Unser Gesundheitssystem hält internationalem Vergleich stand Für Prof. Schlander, Institut für Innovation im Gesundheitswesen in Eschborn, gehört das deutsche Gesundheitssystem zu einem der besten und günstigsten im internationalen Vergleich. Auch Dr. Pfundner, Roche, und Dr. Vöcking, Barmer Ersatzkasse, sind von der Leistungsfähigkeit unseres Gesundheitswesens überzeugt.
Schlander ist sich sicher, dass sich unser Gesundheitssystem selbst dann bewähren wird, wenn sich die Ausgaben für unser Gesundheitssystem in den kommenden 30 Jahren, worst case, verdoppeln sollten. Nach seiner Meinung sind die derzeitigen ökonomischen Probleme nicht eine Frage der Finanzierbarkeit sondern eine Frage zur Bereitschaft zur Finanzierung erforderlicher und gewünschter Therapien durch die Solidargemeinschaft.
Voraussetzung für eine erfolgreiche Bewältigung der Problematik sieht Pfundner in einer Systemreform. Denn nur wenn es uns als Gesellschaft gelingt, wissenschaftlich zweifelhafte oder überholte Behandlungen zu eliminieren, stehen Ressourcen zur Bezahlung innovativer Therapien zur Verfügung. Behalten wir das jetzige Gesundheitssystem bei, werden die Kosten ins Unermessliche steigen. Ein Leistungskatalog zur Grundversorgung kann dabei ein Lösungsansatz sein, um einer Kostenexplosion entgegenzuwirken.
Dr. Rainer Metzger von der F. Hoffmann-La Roche AG aus Basel verwies auf eine weitere Möglichkeit, die Wirtschaftlichkeit der Medizin zu verbessern. Durch forcierte Weiterentwicklung einer weitestgehend personalisierten Medizin und durch den zielgerichteten Einsatz von Arzneimitteln ist es möglich, Fehler in der medikamentösen Therapie zu minimieren und damit Behandlungskosten zu senken. Dabei würden - zum Beispiel bei bestimmten Brustkrebs-Typen, bei der HIV-Sequenzierung und bei der Geschwindigkeitsmessung der individuellen Verstoffwechselung von Arzneimitteln - durch Biomarker Patientengruppen identifiziert, die auf eine Therapie ansprechen, bei denen eine Therapie ohne Erfolg bleibt oder bei denen mit schweren Nebenwirkungen zu rechnen ist. Die viel höhere Zielgenauigkeit der Therapie mache sie dann auch effizienter, auch wenn im Einzelfall die Behandlungskosten höher als die der Vorgängertherapien sind.
Dr. Heiner Geissler, Bundeminister AD, plädierte für eine stärkere Einbindung der Parlamentarier, da sie den Patienten mit ihren Sorgen oft näher stehen als so manches Mitglied eines Expertenrats. Nach seinen Worten ist in der jetzigen Situation der Patient zu einem ökonomisch bewerteten Kunden mutiert, obwohl er doch in Wirklichkeit ein hilfesuchender Mensch ist. Die Berücksichtigung ethischer Grundsätze vermisst Geissler immer häufiger. Den Arzt sieht er zum Fallpauschalen-Jongleur degradiert, der bei der medizinischen Betreuung seiner Patienten vor allem wirtschaftlich zu denken hat. Geissler vermisst die Realisation eines strategischen Plans und bezweifelt bei der jetzigen Diskussion über die äußeren Symptome unseres Gesundheitssystems die ausreichende Berücksichtigung der Anliegen der Patienten durch Expertenräten und Gremien.
In Zeiten, in denen Banker im Alleingang an der Börse in kürzester Zeit 5 Milliarden vernichten oder eine Billion Dollar durch Spekulation und Managementfehler verloren werden, sieht Geissler keine Probleme bei der Finanzierung. „Es gibt Geld wie Heu! Es fehlt nur der politische Wille zur Umsetzung." Und dann rechnet er vor, dass bei einem börsentäglichen Umsatz von 2 Billionen Dollar und einer von ihm angedachten Börsenumsatzsteuer von nur 0,02% der Staat über jährlich 500 Milliarden Euro zusätzlich verfügen könnte.
Dr. Vöcking, Vorsitzender des Vorstands der Barmer Ersatzkasse, sieht Einsparpotentiale von bis zu 50%, wenn richtige Gesundheitsprävention betrieben wird. In einer Zeit, da die Rationierung von Gesundheitsleistungen auf der Ebene zwischen Arzt und Patient schon heute gelebt wird, ist für ihn vor allem soziale Gerechtigkeit wichtig, bei der Bürger stärker in Entscheidungen mit einbezogen werden. Und auch Prof. G. Nagel, Stiftung Patientenkompetenz in der Schweiz, hält eine Stärkung der Urteilsfähigkeit des informierten Patienten für wichtig. Nach seiner Erfahrung akzeptieren kompetente Patienten in der Mehrzahl die durch Krankheit bedingten neuen Lebensumstände und sind zur motivierten Mitarbeit an einer verbesserten Lebensqualität bereit.
Damit Patienten aktiv an der Gestaltung durch Krankheit veränderter Lebenssituationen mitarbeiten können, fordert Prof. Schwartz, Medizinische Hochschule Hannover, mehr Transparenz im Gesundheitssystem. Wenn sich Kriterien wie Nutzen, Qualität, Gewährleistung und Transparenz in der Leistungsbewertung in anderen Branchen bewährt haben, warum soll dies nicht auch im Gesundheitssystem möglich sein. Er sieht hierin eine Chance, Verschwendungen in unserem System besser zu identifizieren.
Zusammenfassend stellte Pfundner fest, dass die Mehrzahl der Akteure keine strategische Vorstellung von der zukünftigen Ausrichtung unseres Gesundheitssystems hat. Auch ist unverständlich, dass in der Bevölkerung zwar ein Bewußtsein für den Umweltschutz vorhanden ist, aber keins für die Erhaltung unserer Gesundheit. Daher will Roche auch zukünftig unter anderem mit dem Berliner Roche Forum zu einer positiven Veränderung der Gesellschaft beitragen. „Wir wollen Lust auf Gesundheit machen." Dazu fördert Roche den Fortschritt in der Medizin durch Forschung und stellt sich in kontinuierlichen Prozessen der Kosten-Nutzenbewertung seiner Therapien und Medikamente. Pfundner: „Nur so können Patienten auch zukünftig in den Genuss von Innovationen kommen." (Dr. J. Wolff, MEDIZIN ASPEKTE, 04/08
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