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DFV-Geschäftsführer Torben L. Brodersen im FranchisePORTAL-Interview: "Franchising wird mehr und mehr auch für bestehend

Im Interview mit dem FranchisePORTAL informiert Torben Leif Brodersen, Geschäftsführer des Deutschen Franchise-Verbands (DFV), über Neuerungen und Veränderungen im Verband und in der Franchise-Wirtschaft.Aktuelle Franchise-Trends, die Bedeutung von Gründermessen und die Zukunftschancen des Franchisings im Hinblick auf den bevorstehenden Fachkräftemangel - im Interview mit dem FranchisePORTAL informiert Torben Leif Brodersen, Geschäftsführer des Deutschen Franchise-Verbands (DFV), über Neuerungen und Veränderungen im Verband und in der Franchise-Wirtschaft.

FranchisePORTAL: Herr Brodersen, Ende September fand in Essen mit der START die größte Gründer- und Franchise-Messe Deutschlands statt. Auch der DFV war mit einem Stand vertreten. Die Messe ist auch ein Indikator für aktuelle Entwicklungen im Franchising. Welche Trends konnten Sie ausmachen?

Torben Leif Brodersen: In der Tat, in jedem Jahr finden Sie auf der START-Messe auch neue Konzepte und Franchise-Anbieter. Für mich ist dabei immer besonders interessant, inwieweit die Aussteller sich und ihr Konzept in einem ansprechenden und professionellen Rahmen präsentieren. Innerhalb der Franchise-Wirtschaft haben wir ein relativ großes Gefälle an professioneller Organisation und Darstellung der Systeme. Diese Professionalität spiegelt sich dann auch bei der Messepräsenz wider.

Allgemein erkennen wir bei der Entwicklung des Franchisings den Trend, dass es insbesondere im Gesundheitssektor sehr viele neue Franchise-Systeme gibt. Dazu zähle ich den Pflegebereich, das Ärztewesen und auch die Apothekenbranche. Darüber hinaus gibt es jetzt aktuell auch wieder Ansätze aus dem Agrarsektor, Franchise-Systeme zu etablieren. Ich rechne zudem mit einer stärkeren Ausprägung des Netzwerkgedankens im Handwerk, hiervon wird das Franchising auch profitieren. Den Grund für diese Entwicklung sehe ich in der Tatsache, dass der Wettbewerbsdruck weiter - und auch in bisher eher nicht betroffenen Branchen - um sich greift. Eine strategische Antwort hierauf ist die Formierung von Netzwerken und Kooperationen, wie sie im Franchising zu finden sind.

FranchisePORTAL: Die Besucherzahlen bei der START waren erneut leicht rückläufig. Welche Bedeutung haben Gründermessen noch für die Partnergewinnung im Franchising? Für welche alternativen Veranstaltungsformen sehen Sie künftig großes Potenzial?

Torben Leif Brodersen: Ich glaube, dass Gründermessen auch in Zukunft ein wichtiger Bestandteil der Franchise-Nehmer-Rekrutierung darstellen. Es ist weiterhin meine Meinung, dass die Messen sich auch ein Stück weit wandeln müssen, um für Besucher attraktiv zu bleiben. Innerhalb der Franchise-Wirtschaft existieren zum Beispiel Forderungen, die Messen müssten in Zukunft stärker von Erlebniswelten geprägt sein. Damit ist gemeint, dass Aussteller nicht nur einen "schnöden" Messestand haben, sondern vielmehr ihr Konzept (Handel, Gastronomie etc.) live in die Messehallen bringen, um dem Besucher bildlich zu zeigen, wofür das Konzept steht. Diese Forderung teile ich uneingeschränkt.

Die Messen sind längst in einen Wettbewerb mit Online-Präsenzen und Plattformen getreten. Mir sind zahlreiche Franchise-Anbieter bekannt, die ihre Ressourcen auf die Suche von Franchise-Nehmer im Internet konzentrieren und dabei den Besuch von Messen vernachlässigen. Dieser Wettbewerb wird sich in Zukunft noch intensivieren. Gut also, wenn sich die Messeveranstalter Antworten einfallen lassen, um ihre Veranstaltungen aufzuwerten.

FranchisePORTAL: Vor kurzem ist das alljährlich erscheinende Impulse-Ranking der 100 besten Franchise-Systeme veröffentlicht worden. Renommierte Franchise-Systeme, auch geprüfte DFV-Mitglieder, tauchen darin nicht auf. Die Gründe dafür sind etwas unklar, da das genaue Vorgehen der Jury im Dunkeln bleibt. Wie steht der DFV zu solchen Rankings?

Torben Leif Brodersen: Rankings dienen - bei einer professionellen und nachvollziehbaren Kriterienauswahl - in erster Linie zur Standortbestimmung. Unabhängig von der Platzierung sind sie als Bestätigung und Ansporn zugleich zu verstehen: Bestätigung, da ein Außenstehender objektiv bescheinigt, dass eine Geschäftsidee und deren Umsetzung wirtschaftlich gut sind. Und Ansporn, da Franchise-Unternehmen motiviert werden, ihre guten Systeme noch weiter zu optimieren. Das Impulse-Ranking findet innerhalb der Franchise-Wirtschaft mittlerweile viel Beachtung.

FranchisePORTAL: Bei der Suche nach neuen Partnern betonen Franchise-Systeme gerne ihre Platzierungen bei Rankings oder verweisen auf Prüfsiegel - etwa den DFV-System-Check, den F & C Award oder das DFNV-Siegel. Welchen Wert sollten Gründer, die nach einem Franchise-System suchen, diesen Auszeichnungen beimessen?

Torben Leif Brodersen: Solche Auszeichnungen haben erst dann einen Wert, wenn sie von einer neutralen und unabhängigen Instanz durchgeführt werden - wie es vor allem bei dem von uns initiierten DFV-System-Check und teilweise auch bei den anderen Siegeln der Fall ist. Der DFV-System-Check prüft Franchise-Konzepte hinsichtlich des Vertrages sowie des Handbuches, der Leistungen des Franchise-Gebers sowie einer Analyse der Zufriedenheit der Franchise-Nehmer mit dem System.

Franchise-Interessenten erhalten hierdurch einen wichtigen Anhaltspunkt, dass es sich beim ausgewählten System um einen seriösen Anbieter handelt und das Siegel dient als gute Grundlage für eine vertrauensvolle und erfolgreiche Franchise-Partnerschaft. Ich freue mich darüber, dass das vom DFV verliehene Zertifikat nicht nur innerhalb der Franchise-Wirtschaft mittlerweile einen guten Anklang gefunden hat. Auch zahlreiche Banken und Beratungsstellen verweisen auf dieses Siegel, wenn sie von Franchise-Gründern gefragt werden.

FranchisePORTAL: Im Frühjahr 2010 wurden McDonald's und Subway in den Medien dafür kritisiert, intime Auskünfte von ihren Franchise-Kandidaten einzuholen. Der DFV hat daraufhin einen Leitfaden zu diesem Thema erstellt. Wie war bislang die Resonanz? Haben die betroffenen Systeme reagiert?

Torben Leif Brodersen: Ja, zum Teil - wie bei McDonald's - wurde sehr schnell gehandelt und die Bögen angepasst. Wir sind im Übrigen gerade noch dabei, unsere Empfehlungen mit den Datenschutzbehörden der Länder abzustimmen. Es ist uns sehr wichtig, dass alle Beteiligten sich der hohen Sensibilität dieses Gebietes bewusst sind. Wir werden an die Öffentlichkeit herantreten, sobald dieses Papier vorliegt.

FranchisePORTAL: Dr. h. c. Dieter Fröhlich wurde dieses Jahr nicht nur erneut zum Präsidenten des Deutschen Franchise-Verbands (DFV) gewählt, sondern ist seit Juni 2010 auch Präsident der Europäischen Franchise-Föderation (EFF). Welche Pläne hat der Präsident bzw. der DFV auf europäischer Ebene?

Torben Leif Brodersen: Die Internationalisierung der Franchise-Wirtschaft ist eine Zukunftsaufgabe. Hierbei geht es uns darum, zwischen den EFF-Mitgliedern noch mehr Know-how und länderspezifische Informationen auszutauschen, welches am Ende den Franchise-Gebern zu Gute kommt. Wir wollen das europäische Netzwerk weiter ausbauen, gerade auch im Hinblick auf die jüngeren EU-Mitglieder. Dort haben sich zum Teil enorme Wachstumsmärkte aufgetan. Gerade erst haben wir in Lissabon einen sehr intensiven und fruchtbaren Erfahrungsaustausch unter den europäischen Franchise-Verbänden durchgeführt. Hier wird auch viel Wissen in Bezug auf die Performance einzelner Franchise-Geber ausgetauscht.

Allen voran hat sich unser Präsident dabei auf die Fahnen geschrieben, Franchise-Systeme als modernes Exportgut zu begreifen. Wir wollen die Internationalisierung fördern, gerade auch auf europäischer Ebene. Viele deutsche Anbieter verfügen noch über sehr viel Potenzial in diesem Zusammenhang. Hier empfehlen wir deutschen Franchise-Gebern bei der Expansion ins Ausland, sich zunächst auf die Märkte "vor der Haustür" zu konzentrieren.

FranchisePORTAL: Gab es in diesem Jahr bereits wichtige neue Gesetzesregelungen oder Gerichtsurteile, die Auswirkungen auf das Franchising haben werden?

Torben Leif Brodersen: Es gibt ein Urteil des Bundessozialgerichtes vom Anfang des Jahres, das in der Franchise-Wirtschaft aufmerksam zur Kenntnis genommen wurde. So haben die Richter entschieden, dass "die Versicherungspflicht und damit auch die Pflicht zum Abführen von Sozialabgaben, auch bezogen auf die Einnahmen aus der selbständigen Tätigkeit besteht, wenn neben einer - ohne weiteres - sozialversicherungspflichtigen Erwerbstätigkeit als Angestellter eine Nebentätigkeit als arbeitnehmerähnlicher Selbständiger ausgeführt wird" (Az. B12R 10/09 R). Nach diesem Urteil entstand mitunter eine gewisse Unsicherheit bei Franchise-Nehmern, was die Möglichkeiten betrifft, in die Sozialversicherungskassen einzuzahlen. Um hier in Zukunft klare Aussagen zu treffen, erarbeitet der DFV gemeinsam mit dem Deutschen Rentenversicherung Bund derzeit einen entsprechenden Maßnahmenkatalog zur Absicherung von Franchise-Verträgen. Hierzu sowie zu anderen Themen der Rechtsprechung bieten wir unseren Mitgliedern mit einer Rechtsdatenbank im internen Bereich der DFV-Website einen exklusiven Informationsservice.

FranchisePORTAL: In den vergangenen Monaten wurden nicht nur viele neue Mitglieder beim DFV aufgenommen, sondern auch einige ausgeschlossen. Das zeugt vom Qualitätssicherungsanspruch des DFV. Welche Gründe führen dazu? Wie ist das Prozedere für einen solchen Verbandsausschluss?

Torben Leif Brodersen: Die Gründe für einen Ausschluss haben in der Vergangenheit selten mit falschen oder falsch verstandenen Qualitätsansprüchen seitens der Franchise-Systeme zu tun. Vielmehr haben die entsprechenden Unternehmen über einen längeren Zeitraum die Gebühren für ihre DFV-Mitgliedschaft nicht bezahlt oder sind in die Insolvenz gegangen. Ein Ausschluss erfolgt allerdings auch dann, wenn Mitglieder dauerhaft gegen den Ethikkodex verstoßen oder die Standards des DFV-System-Checks nicht erfüllen. In allen Fällen entscheidet der Vorstand. Es reicht die einfache Mehrheit.

FranchisePORTAL: Das allgemeine Image des Franchising ist für den Erfolg aller Franchise-Systeme von großer Bedeutung. In den Medien wurde in den vergangenen Jahren immer wieder teils harsche Kritik gerade auch an bekannten Franchise-Unternehmen geübt. Was unternimmt der DFV in solchen Fällen, um negative Folgen für das Franchising insgesamt zu vermeiden?

Torben Leif Brodersen: Sicherlich ist es für die Franchise-Wirtschaft nicht förderlich, wenn in den Medien schlecht über einzelne Systeme berichtet wird. Allerdings sollten wir unterscheiden zwischen einer zeitlich begrenzten negativen Berichterstattung über einen Franchise-Geber und der nachhaltigen allgemeinen Berichterstattung über das Franchising mit ihrer positiven gesamtwirtschaftlichen Bedeutung. Letztere unterstützen wir im Verband mit zahlreichen Aktivitäten seitens unserer Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Hierzu zählt die proaktive Medienansprache genauso wie gute Kontakte zu relevanten Medienvertretern. Dieses Spektrum wird ergänzt durch unsere verschiedenen Serviceangebote, wie Seminare und Workshops oder - ganz aktuell - der neuen Telefonsprechstunde, die wir einmal im Monat unter der Freecall-Rufnummer 0800 18 11 802 durchführen. Die nächste Sprechstunde findet am 8. Dezember von 14:00 bis 16:00 Uhr statt.

Sollten Medien negativ über Franchise-Unternehmen berichten, entscheidet der DFV immer im Einzelfall, ob und wie er reagiert. Denn mitunter versuchen Medienvertreter bewusst, durch das vermittelte Zerrbild ihrer Berichterstattung einen Kommentar zu provozieren. Der DFV hält es in diesen Fällen nicht für nötig, einen zweifelhaften Beitrag mit einem Statement aufzuwerten.

FranchisePORTAL: Was raten Sie Franchise-Nehmern, wenn ihr Franchise-Geber auf wiederholte Kritik nicht reagiert? Bietet der DFV Hilfestellungen an, insofern es sich um Mitgliedsfirmen handelt?

Torben Leif Brodersen: Der DFV ist Anlaufstelle für alle im Franchising agierenden Personen - auch wenn es mal schwierig wird. Dabei verstehen wir uns allerdings als neutraler Vermittler und stellen den Kontakt zwischen Franchise-Geber und Franchise-Nehmer her oder nehmen mitunter eine Moderatorenfunktion ein. Da die Herausforderungen aber in der Regel systemrelevant sind, können und wollen wir hier keine Partei ergreifen. Wir vertrauen darauf, dass Geschäftspartner fair und professionell miteinander umgehen und sich dessen bedienen, was uns hilft, Probleme zu lösen: der offenen Kommunikation.

FranchisePORTAL: Der DFV hat im Rahmen der Studie "Mitgliederfocus Deutschland 2010" seine Mitglieder befragen lassen. Welche Erkenntnisse haben sich daraus ergeben?

Torben Leif Brodersen: Wir sind mit den Ergebnissen aus unserer Umfrage sehr zufrieden: Unsere Mitglieder haben bestätigt, dass der Verband eine gute Arbeit leistet und sie fühlen sich sowie die Franchise-Wirtschaft in Deutschland durch uns gut vertreten. Allerdings ist es unser eigener Anspruch, dass es nicht nur so bleibt, sondern dass es noch besser wird. Denn wir im DFV stehen unserer Arbeit selbst natürlich auch kritisch gegenüber und sehen an der einen oder anderen Stelle durchaus Optimierungspotenzial. So möchten wir beispielsweise die interne Kommunikation auch im Hinblick auf das Web 2.0 ausbauen und intensivieren.
FranchisePORTAL: Zum Schluss noch ein Blick in die Zukunft: Die demografische Entwicklung wird in Deutschland in den nächsten Jahren zu einem verstärkten Fachkräftemangel führen. Wie kann die Franchise-Wirtschaft im Wettbewerb um gute Kräfte künftig bestehen? Um welche Zielgruppen sollte sich die Franchise-Wirtschaft künftig verstärkt bemühen?
Torben Leif Brodersen: Wir sehen der Zukunft im Hinblick auf den demographischen Wandel gelassen entgegen, denn sollte es zu einem Fachkräftemangel in einem besonderen Ausmaß kommen, bieten Unternehmens-Netzwerke - wie die im Franchising - die ideale Lösung: In den Zentralen der Franchise-Geber können wenige Fachkräfte verschiedener Disziplinen ihr Wissen mit vielen Franchise-Nehmern teilen. Die wiederum können sich auf ihre Kernkompetenz der Marktbearbeitung konzentrieren. Von dieser Arbeitsteilung profitieren alle Beteiligten - nicht zuletzt auch der Verbraucher, der seine Produkte und Dienstleistungen wie gewohnt beziehen kann.

Neben dem "klassischen" Existenzgründer wird Franchising mehr und mehr auch für bestehende Unternehmer attraktiv. Wie bereits erwähnt, wächst dort die Erkenntnis, wie vorteilhaft Kooperationen und Netzwerke sind. Diese Zielgruppe werden wir künftig auch seitens des Verbands stärker ansprechen. Im Gegenzug wird die Zahl einer Existenzgründung aus einer Notsituation heraus deutlich weniger werden. Diese deutliche Entwicklung zum qualifizierten und motivierten Franchise-Nehmer-Interessenten hin begrüßen wir ausdrücklich.

FranchisePORTAL: Vielen Dank für das Gespräch.

Unternehmensprofil:
Das FranchisePORTAL ist seit 1997 online und betreibt u. a. die Online-Publikationen www.franchiseportal.de, www.franchiseportal.at und www.franchiseportal.ch. Der kostenfreie FranchisePORTAL-Newsletter mit aktuellen Informationen rund ums Franchising wird zweimal pro Woche an rund 16.000 Abonnenten verschickt. Mit www.franchise-treff.de hat das Portal im vergangenen Jahr zudem eine Informations- und Diskussionsplattform für alle Franchise-Interessierten geschaffen.

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