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Voraussetzung für eine konkrete Umsetzung dieser Visionen war die Entwicklung vollkommen neuer Fertigungstechniken. Auch dabei konnten die in der GINA Philosophie definierten Ziele erst durch das Spezialwissen von Produktionsingenieuren und ihre Fähigkeit, Althergebrachtes in Frage zu stellen, erreicht werden. Nur so konnte eine Formensprache entstehen, die schließlich nicht nur den ästhetischen Anspruch und die Aussagekraft des Designs als Ausdruck einer Produktpersönlichkeit, sondern auch die Fertigungsmethoden maßgeblich bereichert hat. Variabilität in Funktion und Form spricht Emotionen an. Auch im Interieurdesign von Konzeptfahrzeugen werden - wie etwa in der BMW Concept Studie CS1 aus dem Jahr 2002 - wegweisende, auf der GINA Philosophie basierende Visionen konkretisiert. Im Interieur dieses Fahrzeugs sind stets nur jene Bedien- und Funktionselemente sichtbar, die der Fahrer auch tatsächlich benutzen will. Eine flexible, mit Neopren bespannte Instrumententafel sorgt dafür, dass der Blick des Fahrers jeweils auf die für ihn relevanten Funktionen fällt. Durch diese situationsbedingte Variabilität in Form und Funktion entsteht ein Dialog zwischen Fahrer und Fahrzeug. Die Nutzung der Funktionen gewinnt dabei einen emotionalen Reiz, weil der Fahrer zugleich das Erscheinungsbild des Fahrzeuginterieurs seinen persön-lichen Wünschen entsprechend beeinflusst. Der intelligente Einsatz eines flexiblen Materials an dieser Stelle ermöglicht die Einsparung aufwändiger mechanischer Elemente. Zugleich strahlt die variable Erscheinungsform eine natürliche Ästhetik aus. Eine perfekte Ergänzung im Sinne der GINA Philosophie stellt das in der BMW Concept Studie CS1 gezeigte und inzwischen längst in die Serienferti-gung von BMW Modellen eingeflossene Bedienkonzept iDrive dar. Auch ihm liegt das Prinzip zugrunde, ausschließlich die für die jeweilige Fahrsituation relevanten Funktionen ins Blickfeld des Fahrers zu rücken. Das Cockpit passt sich den Wünschen des Fahrers an, die Interaktion stärkt das emotionale Erlebnis beim Umgang mit dem Fahrzeug. Kundenrelevante Funktionalitäten werden inhaltlich aufgeladen integriert. Zu den GINA Prinzipien gehört es, bestehende Lösungen zu hinterfragen, um den Kontext zu erweitern und so dem Nutzer ein breiteres Spektrum an Möglichkeiten zu bieten. Im Motorraum der BMW Concept Studie CS1 wurde die Motorabdeckung durch eine flexible Bespannung ersetzt. Eine grafisch gestaltete Oberfläche liefert dem Nutzer Informationen über die Anordnung der Servicefunktionen, integrierte Reißverschlüsse ermöglichen einen einfachen, aktiv erlebbaren Zugang zu den Befüllöffnungen für Kühlflüssigkeit oder Wasser für die Scheibenwaschdüsen. Mehrere Funktionen - Abdeckung, Orientierung und Zugang für Servicearbeiten - werden auf diese Weise sinnvoll und ansprechend in einem Bauteil integriert. Das bedeutet den bewusst reduzierten Einsatz von Bauteilen und damit die Schonung von Ressourcen. Neue Möglichkeiten für Vielfalt dank Rapid Manufacturing. Im Rahmen der interdisziplinären Zusammenarbeit wurde ein Verfahren entwickelt, um konventionell vorgeformte Außenhautbauteile mit individuell konfigurierten Präzisionslinien zu versehen und anschließend wieder in den Fertigungsprozess zu integrieren. Innerhalb eines Produktionsprozesses wird so die Design-Philosophie GINA mit dem Prinzip des Rapid Manufacturing verknüpft, das eine unvergleichlich schnelle, kostengünstige und zugleich individuelle Fertigung einzelner Komponenten ermöglicht. Angewendet wurde diese Kombination erstmals bei der Fertigung von Motor-hauben für den BMW Z4 M Roadster und das BMW Z4 M Coupé. Sie erhalten ihre markanten Konturlinien in einem gesonderten Produktionsschritt, der von der herkömmlichen Blechbearbeitung maßgeblich abweicht. Dabei werden die Linien mithilfe eines von einem Fertigungsroboter geführten Stahlstiftes millimetergenau in die Hauben eingeprägt. Dieses Vorgehen ebnet den Weg zu völlig neuen Formen der Individualisierung. Rapid Manufacturing eröffnet die Option, bei der Gestaltung von Karosserieelementen oder anderen Bauteilen innerhalb eines von den Designern vorgegebenen Rahmens individuelle Kundenwünsche umzusetzen. Neue Materialien und Fertigungsprozesse ermöglichen eine natürliche Ästhetik. Ein weiteres Beispiel für eine auf Visionen basierende, revolutionäre Gestaltung ist die von der Technik des Industrial Origami geprägte Cockpit-Oberfläche des BMW Concept Coupé Mille Miglia 2006. Sie führte zu Lösungen, die mehrere zentrale Motive der GINA Philosophie reflektieren. Die im Vergleich zu herkömmlichen Cockpits deutlich reduzierte Zahl von Bauteilen und vollkommen neue Methoden zur Verbindung unterschiedlicher Materialien lieferten wertvolle Impulse für innovative Fertigungstechniken. Dabei wurde bewusst auf das Wissen und handwerkliche Können hochspezialisierter Fachkräfte gesetzt, deren Kompetenz die konkrete Darstellung von Visionen überhaupt erst möglich macht. Auch im Exterieurdesign von Konzeptfahrzeugen spiegeln sich innovative Ansätze wider, die eine Konkretisierung visionärer Vorstellungen darstellen. Ursprünglich leiten sich auch die erstmals in der Studie BMW X Coupé gezeigte skulpturale Formgebung und das mittlerweile ebenfalls in die Gestaltung von Serienfahrzeugen (erstmals im Z4) eingeflossene Wechsel-spiel von konvex und konkav geformten Flächen aus Visionen ab, deren Innovationskraft aus grenzenloser Freiheit bei der Suche nach erweiterten Möglichkeiten für das Design resultiert. Bei der Formgestaltung wurde bewusst das Zusammenspiel von Splines als Charakterlinien und dem natürlichen Verlauf gespannter konvexer und konkaver Flächen berücksichtigt. Bei der Metallverarbeitung im Innenraum ließen sich die Designer vom BMW Mille Miglia Concept Coupé von der traditionellen japanischen Papierfalttechnik inspirieren. Aus zweidimensionalen V2A-Blechen wurde mittels spezieller Laserschnitt- und Faltverfahren eine formstabile dreidimensionale Struktur geschaffen. Die dabei entstandenen Fugen wurden bewusst eingesetzt, um beispielsweise Belüftungsfunktionen ohne Zusatzelemente in das Cockpit zu integrieren. Das Ergebnis ist eine innovative Lösung, die eine natürliche Ästhetik aufweist und mit geringem Werkzeugaufwand realisiert werden kann. Das GINA Prinzip: Vorrang für nachhaltige Lösungen. Die Zielsetzung der GINA Philosophie umfasst auch das Bemühen um Nachhaltigkeit in unterschiedlicher Ausprägung. Bei der Suche nach neuen Materialien und Produktionstechniken werden Lösungen favorisiert, die zur Senkung des Rohstoff- und Energieverbrauchs beitragen. Sowohl ökologischer als auch ökonomischer Nutzen ergibt sich zudem aus einer Reduzierung von Bauteilen und Fertigungsschritten. Und im Sinne sozialer Nachhaltigkeit wird nach Produktionsmethoden geforscht, die anstelle von kostenintensiven Fertigungswerkzeugen das Wissen und Können von hochqualifizierten Fachkräften erfordern. Mit einer zielgerichteten Forschung nach neuen Materialien, der Überprüfung innovativer werkzeugloser Fertigungsverfahren wie Rapid Manufacturing und dem Antrieb, bestehende Lösungen ständig zu hinterfragen, hat die BMW Group bereits zahlreiche Mittel an der Hand, die eine für den Kunden erlebbare Umsetzung der GINA Philosophie ermöglichen. Forschungsobjekte wie das GINA Light Visionsmodell zeigen auf, dass die Prinzipien der GINA Philosophie den Designern maximale Freiheit für visionäres Denken gewähren. Genutzt wird sie zur Suche nach Lösungen, die dem Kunden neue Möglichkeiten bieten, Formen und Funktionen einer Vielzahl persönlicher Anforderungen und der jeweiligen Fahrsituation entsprechend zu variieren. Aus ihnen entstehen innovative Ansätze, die zunächst in Konzeptfahrzeugen konkretisiert werden können, um anschließend Impulse für die Serien-entwicklung zu liefern. Auf diese Weise können aus Visionen Produkte entstehen, bei denen die Interaktion zwischen Fahrer und Fahrzeug weit über die Nutzung bisher bekannter Individualisierungsmöglichkeiten hinausgeht. Dank der GINA Philosophie ist das BMW Group Design darauf eingestellt, dieses Zusammenspiel zu fördern und immer mehr zu erweitern, um eine maximale emotionale Beziehung zwischen Fahrer und Automobil zu ermöglichen. Nicht zuletzt leistet das GINA Prinzip durch den bewussten und schonenden Einsatz von Ressourcen in den Produkten und ihrer Entwicklung einen Beitrag zur Nachhaltigkeit kommender Automobilgenerationen. Ihre gesell-schaftliche Bedeutung gewinnt die GINA Philosophie schließlich durch die verstärkte Berücksichtigung sozialer Aspekte sowohl im Entwicklungs-prozess als auch in der bewussten Reflexion von Kundenbedürfnissen.
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